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Trailrunning in Schottland

12. Oktober 2016

Schonmal in Schottland gewesen?

Dann wisst ihr ja bereits, wie faszinierend und wunderschön dieses Land ist. Auch schonmal in Schottland gelaufen? Auf den unzähligen Trails, die vor allem die Highlands bieten?

Nicht…? Dann folgt mir in die Highlands von Schottland, wo ich mich vor kurzem ausgetobt habe:

Die Highlands, also der bergige Teil Schottlands, haben mich vor 3 Jahren, bei meinem ersten Besuch, direkt in ihren Bann gezogen. Eine Landschaft, wie man sie aus unzähligen Filmen kennt.Es klingt wie ein Klischee, aber die Highlands sind magisch. Sie sind eine Mischung aus Kultur, Architektur, Schafen und einer schier atemberaubenden Landschaft. Es ist gar nicht so leicht eine Atmosphäre in Worte zu fassen, aber ich würde sagen, dass in den Highlands über allem eine Art Nebel liegt. Auch gefühlt. Das klingt total bekloppt und das ist mir sehr wohl bewusst, aber es ist einfach so. Man kann sich gerade dort gut vorstellen, dass hinter dem nächsten Hügel ein mittelalterliches Dorf liegt, wo die Clanmitglieder in der Dämmerung in ihren Kilts an einem Feuer stehen und Pläne schmieden. Ähm ja, ich hab wohl ein wenig zu viel Outlander geschaut. Zurück zum Thema: Laufen in den Highlands.

Exemplarisch habe ich 3 Regionen herausgepickt, in denen man herrliche Trails und feinste Downhills findet:

 

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1)die Isle of Skye

2)das Tal von Glencoe

3)die Arrochar Alps

Um die Einheimischen mit ihren Definitionen von Bergen zu verstehen, schadet es nicht die folgenden 3 Grundbegriffe zu kennen:

Munro: Berg mit gewisser Eigenständigkeit und einer Mindesthöhe von 914,4 m

Corbett: Berg mit einer Höhe zwischen 762 m und 914, 4 m. Der Gipfel muss eine relative Höhe von 500 ft. Erreichen.

Graham: Berg mit einer Höhe zwischen 610 m und 762 m.

Nun aber zu den einzelnen Regionen:

1. Isle of Skye

Die Isle of Skye – so sagt man – vereint alle Vorzüge der schottischen Highlands auf einer kleinen Insel. Das raue Meer, emporragende Felsenformationen, sumpfige Täler und vulkanisch anmutende Gipfel prägen das Bild, das sich einem auf dieser Insel bietet. Wer hier laufen möchte, der sollte wirklich einiges an Ausrüstung mitbringen, denn die Trails sind einsam und ziemlich wild. Nicht selten muss man sich seinen Weg selbst bahnen und es kann durchaus passieren, dass man dann auch mit dem Fuß in einem kleinen Sumpfloch versinkt.

Die Ausblicke, die man hier hat, suchen ihresgleichen. Die Luft die man atmet, vollkommen unverbraucht. Zu empfehlen ist  sowohl zum Laufen, als auch zum Wandern vor allem der Skye-Trail. Dieser innoffizielle Wanderweg erstreckt sich von Nord nach Süd über eine Länge von ca. 120 km.

Wenn man auf Ultras steht, kann man die Strecke in einem Rutsch erledigen. Möchte man daraus eine Reise machen, so bietet sich die Aufteilung in 7 Etappen an:

Etappe 1: Rubha Hunish nach Flodigarry, Länge 11.5km

Etappe 2: Flodigarry nach The Storr – Trotternish Ridge, Länge 28.5km

Etappe 3: The Storr nach Portree – coastal route, Länge 14km

Etappe 4: Portree nach Sligachan via the Braes, Länge 19km

Etappe 5: Sligachan nach Elgol, Länge 18km

Etappe 6: Elgol nach Torrin, Länge 16.5km

Etappe 7: Torrin nach Broadford, Länge 20km

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Je nach persönlichem Fitnesslevel kann man natürlich auch Etappen zusammenlegen.

 

2. Glen Coe

Glen Coe ist das Herz der Highlands, ein Tal etwa 30 Minuten von Fort William entfernt.

Der ein oder andere hat diesen magischen Ort auch bereits in Filmen gesehen – Harry Potter wurde hier teilweise gedreht, ebenso James Bond Skyfall (um nur zwei Filme zu nennen). Dieses Tal ist extrem beeindruckend. Man kommt sich vor wie in einem Herr der Ringe Film und ich hätte mich zu keinem Moment gewundert, wenn auf einmal Frodo um die Ecke geschlendert gekommen wäre und mich nach dem Weg nach Mordor gefragt hätte.

Für Trailrunner und Wandererer zugleich ein Paradies. Es gibt hier nur ein Dorf – Glencoe – am Talausgang, ansonsten (relativ) unberührte Natur. Entstanden durch vulkanische Aktivitäten ist dieses Fleckchen Erde von erodierten Berggipfeln und dem darunter liegenden River Coe geprägt.

Getestet habe ich dort eine kurze Route, da das Wetter an diesem Tag leider äußerst bescheiden war und die Sichtverhältnisse dementsprechend schwierig. Trotzdem sollte man sich von schlechtem Wetter von einem Besuch auf den dortigen Bergen nicht abhalten lassen. Es lohnt sich auch bei Nebel und Regen und immerhin sind dann nicht so viele Wanderer unterwegs ;-).

Jedenfalls ging es hoch auf den Munro Buachaillle Etive Beag (keine Ahnung wie man das ausspricht). Der Buachaille Etive Beag ist der kleine Bruder des sehr viel bekannteren Buachaille Etive Mor (Skyfall wurde hier gedreht und bekannt dürfte dieser Berg Läufern vor allem durch das Glen Coe Skyline Race sein).

Man nimmt den einzig möglichen Weg vom Parkplatz am Fuße des Berges hoch. Zunächst besteht der Weg aus einem kleinen Wanderweg, der sich schnell in steinerne Stufen verwandelt. Also feinstes Up-Hill bis zur Kotzgrenze (glaubt mir…die ist bei ordentlichem Tempo schnell erreicht, da reicht speed hiking schon fast aus :-)). Das Ganze ist ordentlich steil und anspruchsvoll, wenn man nicht ausrutschen möchte. Nach etwa 4 km Uphill lässt die Steigung nach und man kann durchatmen. Um auf den ersten Gipfel zu gelangen muss man an einer Gabelung nach rechts und weiter bergauf. Hier fühlt man sich – gerade bei Nebel – wie auf dem Mond. Es folgt eine schöne Traverse und zack ist man auf dem ersten Gipfel. Von hier aus kann man schönstes Skyrunning betreiben und die nahe liegenden Gipfel über den Grat mitnehmen. Wir entschieden uns nur 2 Gipfel mitzunehmen und traten dann den Abstieg auf gleicher Route an. Die Möglichkeiten sind allerdings definitiv gegeben um diese Route ordentlich auszubauen.

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3. Arrochar Alps

Die Arrochar Alps findet man im Nationalpark Loch Lomond etwa 1 Stunde nördlich von Glasgow. Entlang des Loch Long reihen sich eine nette Ansammlung von Munros, Corbetts und Grahams an.

Für mich ging es hoch zum Cobbler (Corbett) und den umgrenzenden Munros, eine wirklich tolle Route mit eindrucksvollen Bildern und wechselndem Untergrund. Vom Forstweg, über gerölligen Uphills und Schlammbädern im Downhill war alles mit dabei. Herrlich!

Hier ist mir übrigens aufgefallen, dass eventuell nicht besonders viele Trailrunner diese Route frequentieren, denn die ungläubigen Blicke und lauten Rufe, als ich an den Wanderern vorbeiflitzte, waren herzerwärmend. Es hat so einen Heidenspaß zu machen die Kurven des Weges zu laufen und nicht nur zu wandern. Wahnsinn!

Wer gerne auch ein wenig kraxelt (Info: Kletterer können sich hier auch ein wenig austoben, ich war ziemlich neidisch!), der sollte sich dieses Gebiet unbedingt vornehmen. Allerdings rate ich auch dringend zu Gamaschen. Ich hatte dummerweise keine dabei und versank zwei Mal bis zum Knöchel im Schlamm. Beim zweiten Mal musste ich meinen Schuh auch noch aus dem Schlamm fischen, da dieses olle Sumpfloch so gut getarnt war, dass ich es nicht habe kommen sehen und sich der Schuh richtig schön festsaugen konnte. Pfuibah. Aber was solls…Schlamm abgeschüttelt und weiter, wir sind ja nicht aus Zucker, nech?

Aber lassen wir doch einfach die Bilder sprechen:

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Ich hoffe, dass ihr jetzt genauso wie ich vom Schottlandvirus infiziert seid. Mein Plan: nächstes Jahr eine ganze Woche laufend dort zu verbringen. Mal sehen, vielleicht sieht man ja den einen oder anderen ;-).

Wer gerne in Schottland laufen möchte, dem lege ich die folgende – zwar für Wanderer konzipierte – Seite ans Herz: www.walkhighlands.co.uk

Dort findet man etliche Routen für Wandertouren, die man beliebig auch zum Laufen nutzen kann. Bonus: GPS-Routen sind hinterlegt!

 

Für alle Regionen gilt:

  • ordentliches Trailschuhwerk
  • Gamaschen
  • ggf. Spikes je nach Wetterlage
  • regenfeste Bekleidung
  • Stöcke
  • je nach Jahreszeit: Antimückenspray, denn die kleinen Midgies sind wirklich hartnäckige Blutsauger!

 

Ebenso gilt: wer sich tagsüber sportlich verausgabt hat, der sollte es sich nicht nehmen lassen abends die wirklich guten Restaurants zu besuchen (ich war erstaunt wie gut das Essen in Schottland war…) und einem Pub einen Besuch abzustatten. Die Schotten sind sehr herzliche Menschen, die wissen wie man Gastfreundschaft schreibt. Für alle, die auch noch Fans des schottischen Nationalgetränks, dem Whisky, sind, bietet sich auf der Insel Skye die Destillerie Talisker an. Bei einem Besuch im Glencoe wäre in der Nähe von Fort William noch der Ben Nevis (höchster Berg Schottlands) und auch die Destillerie Ben Nevis und wer noch mehr Zeit hat, der begibt sich direkt auf den sog. Whisky Trail in der Region Speyside, wo sich die Destillerien wie an einer Kette aufgereiht befinden. Auch hier kann man exzellent laufen gehen, nur die Höhenmeter halten sich ein wenig in Grenzen. Landschaftlich aber auch sehr sehenswert (wie überhaupt ganz Schottland…merkt man üüüüberhaupt nicht, dass ich schockverliebt bin, oder?)!

Alles in allem: go, visit Scotland!!

Welche Routen in Schottland kennt ihr schon und könnt ihr empfehlen?

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