Laufstrecken, Trainieren

Trailrunning in den Münchner Hausbergen

24. Oktober 2016

Die Münchner Hausberge – fast jeder Münchener kennt und liebt sie. Nicht umsonst sind die Berge am Wochenende mehr als nur gut besucht, denn gefühlt zieht es halb München am Wochenende in die Berge. Die meisten Bergbesucher wandern oder nehmen teilweise auch die oft verfügbaren Bergbahnen um ein wenig Gipfelluft zu schnuppern.

Man kann aber auch anders!

Am vorletzten Oktoberwochenende dieses Jahres, welches als besonder schön und in den Bergen durch den Föhn geprägt angesagt wurde, entschieden wir uns dazu den beliebten Gipfeln einen Besuch abzustatten. Allerdings laufend:

Route: Ohlstadt – Heimgarten – Herzogstand – Heimgarten – Ohlstadt.

Startpunkt: Wanderparkplatz am Ende der Heimgartenstraße in Ohlstadt.

Länge: ca. 18 km

Höhenmeter: in der beschriebenen Variante ca. 1500 hm

Wegbeschreibung:

Vom Parkplatz aus folgen wir der Forststraße in östlicher Richtung. Es gibt mehrere Wege zum Heimgarten hinauf. Für den Aufstieg wählen wir den Weg über die Kaseralm mit der Nummer 443. Erst gilt es über die sog. Kaltwasserfälle hinauf und in den Wald rein zu kommen.

Dort angekommen geht es steil bergauf und ich zweifele bereits hier, dass ich überhaupt oben ankommen würde. Die Lunge pfeift bereits und ich entschließe mich noch einen Hub meines Asthmasprays zu tanken (im Nachhinein ein weiser Entschluss, da ich selbiges später verlieren würde). Gesagt, getan und weiter bergauf. Meine Laufpartnerin trabt vorweg und ich versuche so gut wie möglich den Anschluss zu halten. Nach dem ersten steilen Anstieg gelangen wir auf einen Forstweg, welcher dann erneut in einem steilen Pfad mündet. Puuh. Durchatmen, einen Schluck aus der Trinkblse nehmen und dann heisst es weiter, immer weiter. Während wir eine Forststraße kreuzen folgen wir einfach der Beschilderung Richtung Heimgarten (eine weitergehende Unterteilung der Routen gibt es hier noch nicht). Der Weg zur Kaseralm wird später übrigens als der längere Weg ausgezeichnet.

Das liegt ziemlich sicher an dem nun folgenden Teilstück: Der Weg führt hier nämlich über Holzbohlen durch das Hingmoos, die je nach Witterung sehr rutschig sein können. Ich fühle mich zwischendurch wie eine Eisenbahn, da sich die Bohlen wie Schienen durchs Dickicht schlängeln. Apropos Witterung. Wenn es – so wie an diesem Tag recht frisch ist  tut man gut daran sich nach dem sog. Zwiebelprinzip zu kleiden und einen Rucksack mit windfester Jacke dabeizuhaben. Ich bin jedenfalls recht dankbar das langärmelige Shirt gewählt zu haben und im Rucksack noch eine sehr leichte und dünne Regenjacke zu wissen.  An den Vortagen musste es geschneit haben, das sieht man an etlichen Stellen. Für die wagemutigen Bohlenbezwinger unter uns bedeutet das, dass diese entweder komplett unter Wasser standen oder eine rechte Rutschpartie angesagt ist. Drumherum laufen ist bei solchen Bodenverhältnissen nicht drin, mehr als einmal landet man so in einer schönen Matschgrube. Immerhin trainiert man dadurch aber das Laufen bei jeglichen Bodenverhältnissen und kann das Trailschuhwerk auf Herz und Nieren testen (ich z.B. wünsche mir zu diesem Zeitpunkt inständig Schuhe mit Membran und ggf. Handschuhe).

Wenn man allerdings dieses Stück hinter sich bringt, kommt man auf den Kaseralmboden mit einem bereits hier herrlichen Ausblick nach oben. Weiter geht esauf einem breiten Forstweg, den man locker entlangtraben kann, bis ein knackiger Anstieg folgt, der ein wenig Trittsicherheit verlangt und  zumindest mich mehrmals an den Gramaier Hochleger im Karwendel erinnert (wie sich das anfühlt kann man hier lesen: http://www.dasistdochwahnsinn.com/karwendelmarsch/). Es geht so ca. 30 Minuten über einige Serpentinen Bergauf, bis man am Grat steht und in wenigen Schritten zum Gipfel des Heimgarten schreiten kann.

      

 

Die Aussicht am Heimgarten  entschädigt für den insgesamt doch anstrengenden Anstieg – sie ist wahrlich phänomenal. Kein Wunder, dass sich dort etliche Wanderer tummeln. Trotzdem fühlt man sich ein wenig wie im Zoo. Trailrunner sind hier wohl doch nicht allzu häufig unterwegs, jedenfalls wenn man den Blicken nach urteilt. Ist aber auch egal, zum langen Verweilen ist eh keine Zeit, weiter geht’s über den Grat zum Herzogstand rüber. An sich ein super laufbares Stück, auch wenn hin und wieder ein paar Kraxeleien zu bewältigen sind oder sich einem Äste in den Weg stellen. Etwas hinderlich für den Laufspaß gestaltet sich das Ganze in Paarung mit dem dort herrschenden Massentourismus. An einigen Stellen kann man die Wanderer und Spazierer nämlich nicht überholen, sodass es langsamer als gehofft vorangeht.

Man muss dazu sagen, dass wir nicht gerade früh gestartet sind, sodass ich fest davon ausgehe, dass es bei weniger Bevölkerung ein richtig tolles Stück zum Laufen ist.

  

 

 

Durch eine Unachtsamkeit meinerseits bei einem „Überholvorgang“ hab ich hier auf dem Grat auch unsanft Kontakt mit einem kleinen felsernen

Vorsprung.Stein und Schotter auf Scheinbein. Nicht zu empfehlen, vor allem wenn man kein Blut sehen kann und nicht auf schillernde Blutergüsse steht ;-). Trotzdem macht der Grat insgesamt richtig Bock und so geht es nach Erreichen des Herzogstandes den gleichen Weg zurück zum Heimgarten. Nina rannte vorweg und ich humpele ein wenig langsamer hinterher, n bisschen ziept das Bein dann doch.

Leider auch beim Rückweg eine schiere Masse an Menschen auf dem Grat unterwegs, teils mit Sneakern ohne jegliches Profil, da wird mir schon beim Hinsehen ganz anders zumute und das Bein muckt gleich nochmal hypochondrisch auf, aber solange man andere nicht gefährdet muss jeder selbst entscheiden mit welcher Ausrüstung er sich ins Gebirge begibt.

Apropos Ausrüstung. Ich hab meinen kleinen Traillaufrucksack von Salomon dabei, an dem ich es nun auch endlich geschafft habe die Stecken ordentlich zu befestigen. Diese sind für die beschriebene Route allerdings vollkommen überflüssig. Keiner von uns wird an diesem Tag die Stecken aus der Halterung holen.

Endlich am Heimgarten angekommen, entscheiden wir uns nun einen anderen Wanderweg herunterzunehmen. Mehr Abwechslung und so.

Also Richtung Heimgartenhütte, kurz vorher nach rechts abbiegen und über einen schön breiten Forstweg herunter Richtung Ohlstadt, dieses Mal über die Bärenfleckhütte. Ich sag es euch, das war so richtig entspanntes Laufen.

Immer im Gleichschritt die Biegungen und Wendungen des Weges bergab, bis wir an eine Kreuzung gelangen. Auch hier geht es nach Rechts – den Wanderweg 441 runter.Dieser ist im Abstieg laut Beschilderung etwas kürzer als die Nummer 442 – dafür geht es aber auch so einige Serpentinen und Treppenstufen herab. Ist aber alles laufbar. Wähend wir so die Single Trails, oder wie es früher ganz einfach hieß: Waldwege langpesen bleibt noch genügend Luft um ein Pläuschchen zu halten. Schön ist das. Durch die Natur, die frische Bergluft einatmen und über Gott und die Welt reden. Dabei laufen. Einfach herrlich.

Irgendwann stehen wir an einer der ersten Abzweigungen vom Aufstieg und entscheiden wohlweislich den Weg über die Holzbohlen nicht  noch einmal zu nehmen. Man muss sich das Gerutsche ja nicht zwangsläufig zweimal an einem Tag antun. Daher geht es wieder durchs Gebüsch und in so einigen schönen Wendungen bergab. Mitunter verlassen wir sogar den offiziellen Weg um uns – natürlich total geplant – äh NICHT querfeldein durchzuschlagen. Kann man ja mal machen!

Am Ende des Downhills (oder auch einfach Abstieg genannt) lauern wieder die Kaltwasserfälle, die wir ganz am Anfang über mehrere Brücken bereits bezwungen hatten.  Fast geht es noch mit Vollgas in einen dort aufgespannten Maschendrahtzaun rein, weil wir gerade so im „Flow“ (hach, diese neudeutschen Trailausdrücke, herrlich, nicht?) sind – aber gottseidank ist meine Laufpartnerin so geistesgegenwärtig vorher abzubremsen (ich befürchte, ich wäre tatsächlich mit Karacho reingerannt). Also Umkehr und zurück auf den rechten Pfad. Dann nur noch den Forstweg bergab zum Parkplatz und dort das wohlverdiente alkoholfreie Weißbier schnabulieren. Over and out.

Alles in Allem: eine absolut zu empfehlende Route für den Traileinstieg mit extrem schönen Ausblick, sehr abwechslungsreichem Untergrund und ganz viel Laufspaß. Das Ganze auf ca. 18 km und in unserer Variante mit 1500 hm.

Kann man an nem schönen Tag durchaus in Angriff nehmen!

Viel Spaß dabei!

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