Allgemein, Berge, Outdoor

Ein Wochenende auf der Tölzer Hütte

1. Juni 2017

Meine erste Mehrtagestour in den Bergen führte mich ins wunderschöne Vorkarwendel, was ich ja vom Karwendelmarsch schon kannte und sehr mochte, dieses Mal ging es allerdings auch zum Übernachten in die Berge, genauer gesagt auf die Tölzer Hütte.

Die dreitägige Tour führte südlich von Vorderriß am Achensee hinauf über die Moosenalm zur Tölzer Hütte. Am Tag 2 dann mehrmals auf das direkt neben der Hütte liegende Delpsjoch (morgens und abends, wie Zähneputzen: Uphill-Training for the win!), über den Delpsee auf das Stierjoch und das westliche und östliche Torjoch. Von dort aus querfeldein wieder zurück zu Delpsee und Tölzer Hütte um dann nach dem Abendessen nochmal fix hoch auf das Delpsjoch zum Sonnenuntergang bewundern. Den Hausberg der Tölzer Hütte, den Schafreuter, galt es an Tag 3 zu erklimmen, bevor der Abstieg zum Sylvensteinspeichersee durch das Krottenbachtal die tolle Tour zum Abschluss brachte.
Eins vorweg: ich empfehle die Tölzer Hütte bedingungslos für einen Besuch. Auch wenn es mein erstes Übernachten auf einer Alpenvereinshütte war und ich somit keine Vergleichsmöglichkeit habe, so erzählten mir doch meine Begleitung und viele der anderen Gäste, dass die Hütte wirklich ein absolutes Schmuckstück im Vergleich sei. Ich persönlich kann nur sagen, dass ich mich dort unglaublich wohlgefühlt habe und dass, obwohl ich auf eine Dusche verzichten musste ;-).

Tag 1: Der Aufstieg zur Tölzer Hütte

Der Reitsteig

Ausgangspunkt ist der dritte Wanderparkplatz nach Vorderriss (ca. 2 km südlich von Vorderriß). Das Auto kann man dort getrost stehen lassen, zumindest zum Zeitpunkt der Wanderung (Mai 2017) herrschte hier keine Gebührenpflicht. Die Wanderung startet direkt vom Parkplatz aus und der Weg ist auch von dort an markiert und – wenn auch spärlich – ausgeschildert. Hier beginnt der „Reitsteig“, einer der schönsten Zustiege aus dem Rißtal. Der Weg führt durch den Stuhlbachgraben über die Moosenalm zur Hütte (4 Std.). Es geht auf einem wunderschönen Bergweg stetig bergauf, man schlängelt durch den fast schon märchenhaften Wald immer höher, mitunter muss man auch den Stuhlbach kreuzen (in unserem Fall konnten wir hierfür leider nicht die eigentlich vorhandene Brücke nehmen, da diese zerbrochen vor uns lag, eine etwas abenteuerliche Kraxelei folgte, aber wir haben es gut gemeistert und den Weg auch ohne größere Schwierigkeiten wiedergefunden). Der sehr gute Steig führt über etliche Serpentinen meist im Schatten hinauf zu den Wiesbaueralmen, wo wir eine Brotzeitpause einlegten, hinüber auf die Moosenalm. Zur Info: die Markierungen sind hier nicht ganz eindeutig, aber da man klare Sicht hat, geht es auf einer großen Wiese einfach bergauf. Anschließend kann man sich auf dem Weg zur Hütte für eine Überquerung des Schafreuters oder eine Umrundung dessen entlang der Südflanke entscheiden. Da noch etliche Schneefelder auf der Nordseite des Schafreuters sichtbar waren wählten wir die entspannte Variante unten rum. Nach 30 Minuten wurden wir nun zu Grenzgängern, da hier die deutsch-österreichische Grenze ganz klar mit einem Schild ausgewiesen wurde und nach weiteren 45 Minuten fanden wir uns auch bereits vor der Tölzer Hütte wieder und freuten uns bereits auf eine Einkehr in selbiger.

Die Tölzer Hütte liegt malerisch eingenestelt direkt am Fuße des 2102 m hohen Schafreuters und auf einer Passhöhe zum 1945 m hohen Delpsjoch.

Zur Hütte:

Die Hütte ist sehr sauber und gepflegt, sowohl die Hüttenwirte Margot und Michael, als auch das Personal sind extrem freundlich und helfen einem wo sie können. Die Lager (wir haben im Lager 3 mit Blick auf das Delpsjoch und das Stierjoch genächtigt) sind „serienmäßig“ mit 2 Wolldecken pro Matratze und Kopfkissen ausgestattet und – was ich positiv hervorheben möchte – haben ausreichend Regale um seine Sachen abzulegen. Nebst dem Matratzenlager kann man auch in Mehrbettzimmern nächtigen – je nach Gusto. Warmes Wasser gibt es auf der Hütte nicht, aber nach Geschlechtern getrennte Waschräume, die auch zu allen Tageszeiten sehr sauber waren und in denen man sich mit frischem Quellwasser von den Strapazen des Tages reinigen konnte.

Die Hütte wurde – in meinen Augen zu Recht – mit dem Alpenvereinssiegel „So schmecken die Berge“ ausgezeichnet, hier kann man abends ordentlich Tiroler Spezialitäten schnabulieren während man das atemberaubende Panorama genießt (Lalidererspitze, Birkkarspitze, Östliche Karwendelspitze und der Torkopf sind z.B. mit bloßem Auge bewunderbar, bei Fernsicht auch die Zugspitze). Morgens gibt es ein Frühstücksbuffet und am Nachmittag kann man selbstgebackenen Kuchen verköstigen. Verhungern wird man hier ganz sicher nicht!

Ich war ja direkt ab der ersten Sekunde auf der Sonnenterasse der Hütte schon vollkommen im Bann der Berge und ich glaube irgendwann waren es alle leid mich ständig seufzen und „oh ist das schön“ murmeln zu hören. Aber ich sage es euch, alles hat gepasst. Das Wetter spielte mit, die Fernsicht wurde tatsächlich von Tag zu Tag besser, sodass man sich zwischenzeitlich fragte, ob irgendwo am Horizont nicht sogar Venedig auftauchen würde, die Hütte war toll und die mit den anderen Wanderern kam man locker und leicht ins Gespräch, sodass auch die Abende sehr kurzweilig waren. Es war einfach perfekt!

Naja, genug gefaselt, auf zu Tag 2!

Tag 2: Gipfelstürmer ahoi!

Tölzer Hütte – Delpsjoch – Delpsee – Stierjoch – westliches und östliches Torjoch – Delpsee – Tölzer Hütte – Delpsjoch – Tölzer Hütte

Am Tag 2 hatten wir uns überlegt es ganz gemütlich anzugehen. Soviel vorab: von diesem Entschluss blieb am Ende des Tages wirklich nur der Entschluss übrig. Es startete bereits damit, dass wir direkt nach dem Frühstück das Delpsjoch erklommen (super Empfehlung für Sonnenauf- und untergang!). Zack zack ging es hoch und auf dem Gipfel angekommen staunten wir nicht schlecht über den wundervollen Ausblick. Aber…da wir den Tag ausnutzen wollten, ging es auch schnell wieder zurück zur Hütte und von dort aus durch ein kleines Tal hinab durch etliche Schneefelder (mei, das hat so einen Spaß gemacht, die Schneedecke war noch schön fest und mit gewissenhafter Begutachtung vorab war daher ein Begehen oder auch Belaufen – ähäm – der Schneefelder gefahrenfrei möglich) herunter zum Delpsee. Von dort aus schlugen wir uns ca. 400 Höhenmeter rauf zum Stierjoch. Was sich vom Delpsee gesehen als leichter Weg hinauf darstellte, entpuppte sich schnell als ziemlich steiler und nur sporadisch markierter Weg in direkter Falllinie hinauf zum Gipfel auf 1908m Höhe. An zwei Stellen des Aufstiegs war Kraxelei erforderlich. Da ich mit Höhenangst geplagt bin, brachten mich diese dank zusätzlicher Ausgesetztheit etwas aus der Fassung.  Ansonsten ist der Aufstieg unkritisch und auf dem Gipfel wird man mit traumhafter Rundumsicht belohnt. Vom Voralpenland über den Schafreuter bis zum Rofangebirge konnte man alle bekannten Gipfel betrachten und sich an dieser herrlichen Sicht ergötzen. Kein Wunder, dass wir hier Brotzeit machten und uns mit den mitgebrachten Köstlichkeiten stärkten.

Danach ging es über einen Grat hinüber zum westlichen und östlichen Torjoch. Selbst mit Höhenangst ist diese Passage aber unproblematisch machbar, ich würde es sogar als Spaziergang bezeichnen, da der Weg gut ausgetreten ist und bis auf ein bis zwei Stellen nie ausgesetzt durch die Latschen führt. Wer eine noch längere Runde gehen möchte, kann vom östlichen Torjoch hinüber zum 300 Höhenmeter tieferen Lärchenjoch wandern, wir entschieden uns aber dafür den Rückweg – allerdings nicht über den Grat, sondern querfeldein – anzutreten. Es ging dann gute 40 Minuten lang stetig bergab, wobei wir mehr als einmal Gämse sahen bzw. fast von ihnen über den Haufen gerannt wurden. Auch Frösche kreuzten mehrmals unseren Weg und der Schrei eines Murmeltiers hat mich fast zu Tode erschreckt.

Vom Delpsee ging es dann wieder hoch zur Tölzer Hütte, wo es wieder ein leckeres Abendessen gab. Danach entscheiden wir uns dafür den Sonnenuntergang am Delpsjoch zu betrachten, was eine der besten Entscheidungen des Wochenendes war. Zwar war ein Alpenglühen (Beleuchtung der Felswände durch die auf- oder untergehende Sonne) leider nur in abgeschwächter Form sichtbar, aber die Stimmung war gigantisch. Diese Ruhe, die sich langsam über den Gipfeln und Tälern ausbreitete. Die vielen Tierstimmen, die um den Sonnenuntergang erst laute werden und dann nach und nach verebben, weil der Tag sich dem Ende zuneigt und die Tierwelt sich zur Ruhe legt. All das lässt einen vor Ehrfurcht verstummen und innehalten. Man atmet tief ein und aus und genießt einfach nur. Bergliebe durch und durch.

Für mich war das der Moment des Wochenendes, den ich am wenigsten missen möchte. Einfach dazusitzen und inne zu halten. Zu genießen und sich bewußt zu werden, dass alles andere so weit weg und klein ist.

Tag 3: Der Abschied – scheiden tut weh!

Schafreuter – Tölzer Hütte – Delpsee – Krottenbachtal – Fall

Am Tag 3 und damit auch dem letzten Tag dieser Tour wurde erstmal gemütlich draußen vor der Hütte gefrühstückt. Gute Freunde kamen noch hinzu, sodass wir in einer größeren Gruppe den Schafreuter in Angriff nahmen. Über uns blaue Himmel und die strahlende Sonne. Auf einem kleinen Steig hinter der Hütte hieß es ca. 15 Minuten lang steil aufwärts marschieren. Weitere 20 Minuten lang ging es flacher rechts an einem kleinen Steinmandl-Garten entlang. Auf einigen Felsbändern und leicht ausgesetzt bis direkt unterhalb des Gipfels. Ab hier wurde es ein wenig sportlich. Durch den Fels kraxelten wir bis zum Gipfel, allerdings ist die gesamte Passage durch Seilversicherungen versehen, was es leichter macht.

Dann waren wir am Gipfel angekommen.

Tipp: Leicht unterhalb des Gipfels liegt ein kleines Plateau. Dort kann man den Ausblick wunderbar auskosten.

Nach ein paar Minuten innehalten und den Blick schweifen lassen ging es zurück zur Hütte, wo unsere vollgepackten Rucksäcke warteten. Dann herunter zum Delpsee um dort die knurrenden Mägen mit den restlichen Brotzeitprovianten zu füllen. Ein paar von uns hüpften sogar in den frischen Bergsee. Ich war nicht so mutig, was ich im Nachhinein bereute, denn der Abstieg wurde eine Hitzeschlacht.

Der Weg durch das Krottenbachtal ist phänomenal. Landschaftlich wirklich ganz großes Kino und dazu auch noch sehr wenig begangen. Ein Wasserfall jagt den nächsten und man kommt aus dem Staunen kaum raus. Allerdings ist der Abstieg durchaus langwierig und gerade in den ersten 2 Stunden auch nicht unbeschwerlich. Mehrfach ist der Weg sehr schmal und ausgetzt. An einer solchen Stelle saß ich 5 Minuten auf einem Felsvorsprung in die Wand gepresst, weil mir „die Düse ging“. Da ich aber gerade den Artikel hier verfasse, ist wohl klar, dass ich es überlebt habe. Dank der Hilfe meiner Freunde konnte ich diese für mich schwierigen Passagen nehmen. Aufregend war es dennoch. Ich bin aber sehr froh, dass wir diesen spektakulären Weg gewählt haben, denn so etwas sieht man nicht alle Tage. Trotzdem möchte ich eindrücklich darauf hinweisen, dass gerade beginnende Bergsteiger sich der Länge und Schwierigkeit des Weges bewusst sein sollten, da einem – gerade im Sommer – doch einiges abverlangt wird.

Was sollte man beachten? Gutes Schuhwerk und Wanderstöcke dabei haben! Der Weg ist steil, mit einigen Kraxelpassagen verbunden und man muss den Krottenbach mehrmals ohne Brücken queren, was je nach Jahreszeit mit nassen Füßen enden kann.

Wenn man die Höhenmeter hinter sich gelassen hat, heißt es durchhalten, denn der Weg bis nach Fall am Sylvensteinstausee zieht sich (Kondition erforderlich). Mitunter geht es sogar wieder bergauf und man bzw. ich habe mehr als einmal ordentlich geflucht. Die Wanderzeit kann aber durch das fortwährende anstimmen von Liedern verkürzt werden, vor allem wenn man nicht mehr weiß, wie diese weitergehen ;-). Hat bei uns jedenfalls bestens funktioniert.

Alles in allem: eine sich lohnende Mehrtagestour im wundervollen Vorkarwendel und mit einer gemütlichen Hütte als Einkehr für die Nächte. Nicht zu unterschätzten sind vor allem die konditionellen Anforderungen beim Abstieg durch das Krottenbachtal, wofür man aber Alternativen finden kann. Entweder steigt man wieder über den Reitsteig ab oder man nimmt den ebenfalls ins Rißtal herabführenden Forstweg.

Welche Touren oder Hütten könnt ihr empfehlen?

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