Allgemein, Gesundheit, Motivation

Statusbericht oder was ist hier eigentlich los?

7. März 2016

Na, wo soll die Reise eigentlich hingehen?

Das hab ich mich in letzter Zeit im Stillen, so ganz für mich, recht oft gefragt.

Jetzt möchte ich euch auf den neuesten Stand bringen, denn schließlich hat dieser Blog den schönen Untertitel „nächstes Ziel: Halbmarathon“.

Vielleicht fragt ihr euch, ob das überhaupt noch Gültigkeit hat?

Braucht ihr nicht, denn die Antwort ist JA.

Leider sind meine ursprünglichen Pläne durch die Kleinigkeit, die sich Leben nennt, durcheinandergewirbelt worden. Ein Trauerfall, eine langwierige Erkrankung und zuletzt eine Verletzung haben mir dezent Steine in den Weg zum Ziel geworfen und mich obendrein gezwungen meinen Plan zu hinterfragen. (Frechheit!)

Um ganz ehrlich zu sein, war ich insgeheim kurz davor hinzuschmeißen. Die Gedanken wanderten hin und her. Ich war mir nicht sicher, ob ich das Ziel Halbmarathon überhaupt schaffen kann, ob ich mir das zumuten soll und  zwischenzeitlich hatte mich auch die Lust darauf verlassen, weil es so verdammt schwer war und ich keine Lust auf „nur“ Alternativtraining hatte. Die Enttäuschung war groß und der Wille weiterzumachen ziemlich klein. Ich war frustriert und haderte mit meinem Schicksal. Meine Gedanken kreisten nur noch darum, dass ich es nicht schaffen würde: Die Hindernisse schienen schier unüberwindbar und ich stellte mir die Frage, ob das wirklich gut sein konnte, wenn man so kämpfen muss. Da krempelt man sein Leben um, baut die Bewegung in den Alltag ein, hat einen Riesenspaß daran und fühlt sich gut und dann sowas. Verdammte Axt! Das konnte doch nicht wahr sein…wie ´war es so weit gekommen, dass von einem Tag auf den Anderen einfach alles schiefläuft und nix mehr passt? Das waren meine Gedankenkreise Tag ein und Tag aus. Ich gebe zu, dass ich mich gefragt habe, ob es gesund sein kann, wenn man von einer Erkrankung in eine Verletzung schlittert. Ich wollte meinem Körper etwas Gutes tun, aber stattdessen hatte ich das Gefühl das genaue Gegenteil zu tun.

Es hat ein wenig gedauert, bis ich meine Mitte wiedergefunden hatte, aber mittlerweile kann ich sagen: Das wird scho wieder und vor allem wird nicht so heiß gegessen, wie gekocht wird.

Meine Ziele werden sich zeitlich verzögern und ja, es sind Hindernisse aufgetaucht, die ich am Anfang meiner Reise zum Halbmarathon nicht eingeplant hatte. Aber mei…so ist das Leben. Du planst wie verrückt und es kommt alles anders. Manchmal ist die Versuchung groß den Kopf in den Sand zu stecken und den Vogel Strauß zu machen. Das wäre aber nicht ich..ich bin jemand, der es liebt seine Ziele zu verwirklichen. Das ist meine Motivation und das gibt mir immer wieder neue Kraft.

Ziele setzen und sie erreichen. Klar musste ich auch schon lernen, das es Grenzen gibt, die man nicht überschreiten darf und kann, aber im Großen und Ganzen gilt: das Ziel wird nicht einfach so aufgegeben, nur weil es mal nicht so läuft wie ich will (das heißt übrigens nicht, dass ich dann nicht jammere und mich frage, wie es sein konnte, dass ich mir ein Ziel ausgesucht habe, was ungefähr so utopisch ist, wie morgen den Mars zu erobern – ohne Sauerstoff wohlgemerkt – …nö nö, das gepaart mit einer Menge Tränen und Flüche gehört dazu, aber hey..wer kennt das nicht?!).

Der Kompass musste neu ausgerichtet werden und ich überlegte mir, wie ich trotz der Hürden dennoch das Ziel 21,1 km im Jahr 2016 zu laufen erreichen werde.

Absolut unabdingbar sind dabei vor allem zweierlei: Geduld und die Fähigkeit auf meinen Körper zu hören.

Eigentlich dachte ich, dass ich beides mittlerweile ziemlich gut drauf habe. Naja, sagen wir mal, mein Körper hat mich eines Besseren belehrt ;-).Vor 4 Wochen musste ich eine komplette Laufpause einlegen. Heute war der erste Tag, an dem ich schmerzfrei loslaufen konnte. Diese Zeit war hart, da ich nicht wusste, wie lange die Pause noch dauern würde und ob es überhaupt in näherer Zukunft weitergehen kann. Was war passiert? Irgendwie habe ich es geschafft nach meiner letzten langen Pause aufgrund einer Erkrankung gleich in den ersten 3 Wochen  zu viel zu schnell zu wollen (Stichwort Geduld!) und das in neuen Laufschuhen, die leider nicht optimal für mich waren (an dieser Stelle einen riesigen Dank an die Laufbar, dort war ich am Freitag und anstandslos wurden meine dort gekauften Schuhe durch ein neues Paar ersetzt, nachdem wir ca. 2 Stunden lang etliche Modelle getestet und analysiert hatten – großes Kino!). Meine Achillessehne im rechten Bein hat dem Ganzen dann einen Riegel vorgeschoben: Och nö, Nadine, sagte sie, kannste ja m it dem restlichen Körper machen, aber nicht mit mir. Ätschibätschi, ich geb dir die Antwort in Form einer Entzündung, Schmerzen und einer netten Schwellung mit auf den Weg, vielleicht hörst Du dann mal mehr auf deinen Körper und übertreibst es nicht so sehr.

Für mich eine ziemlich Überraschung. Ich fühlte mich so gut beim Laufen, dass es mir nicht in den Sinn kam, dass ich mein Pensum  zu schnell hochgeschraubt haben könnte. Gepaart mit den ungünstigen Schuhen war das aber ein Overkill und der Dank war doch etwas zu herzlich für meinen Geschmack. Ich war ziemlich sauer und extremst enttäuscht. War ich mir doch so sicher, dass ich gelernt hatte, eben auf diesen Körper zu hören in den letzten Jahren. Dass ich geduldig  mit mir selbst war dachte ich und natürlich all die Ratschläge, die ich selbst in Bezug auf Sport und Training gern austeilte, vollstens beachtete. Ja, Pustekuchen. Auf einmal war ich der Möglichkeit beraubt einfach loszulaufen, wenn ich keine Lust hatte mich mit irgendwas zu stressen. Der Alltag und all die Dinge, die man manchmal einfach abschalten will, waren omnipräsent. Herzlichen Glückwunsch! Die letzten 4 Wochen waren nicht nur körperlich, sondern auch psychisch durchaus eine Herausforderung. Andererseits haben sie mir aber auch geholfen. Ich war durch die Pause gezwungen mir endlich einen Ausgleich zu suchen, der mich zur Ruhe kommen lässt. Das war kein Spaß, weil ich es gewohnt war mich ordentlich auszupowern und gut…aber mein Körper, das alte Wunderwerk, hat mich nonchalant ausgetrickst. Eine Auszeit für die Dame, die lieber durch die Gegend rennt, le voilà!

So habe ich Yoga für mich entdeckt. Einen Sport, den ich vorher für esoterischen Quatsch gehalten hatte (shame on me!) und gegen den ich mich unerklärlicherweise vollkommen sperrte, weil ich mir sicher war, dass einfach nur in irgendwelchen unsinnigen Yogaposen herumzusitzen mir nix bringen kann. Boy, was i wrong!

Mittlerweile mache ich 2-3 Mal die Woche Yoga und es ist soooo toll. Erstens ist es überhaupt kein esoterischer Quatsch, zweitens ist es sauanstrengend und drittens hilft es mir dabei einfach loszulassen und mich voll und ganz auf meinen Körper und jede einzelne Faser zu konzentrieren. Klingt vielleicht doch etwas esoterisch, geb ich zu, ist es aber gar nicht. Es ist sogar eine ziemliche Herausforderung, denn die Übungen sind nicht leicht! Cherry on top: mein Rücken, der vom Schreibtischtäterdasein immer mal wieder ziemlich muckt, ist vieeeel besser. Natürlich hatte mir das Klettern dort auch schon sehr gute Dienste geleistet, aber das durfte ich aufgrund der Sehnenprobleme ja auch nicht. Meine sonst dauerverspannte Nackenmuskulatur ist durch die Yogaübungen nachweislich sehr viel gelöster. Der Knaller also. Ein bisschen ärgere ich mich, dass ich den Tipp mit dem Yoga nicht schon viel früher befolgt habe, aber wie sagt man so schön: besser spät als nie.

Das Thema Geduld habe ich mir nun auf die Fahne geschrieben. Kein Zuckerschlecken, da ich zu der Sorte Menschen gehöre, die gefühlt gar keine Geduld besitzen. In diesem Fall aber absolut notwendig. Mein Wille könnte Berge versetzen, aber der Körper kommt manchmal nicht ganz hinterher. Ich muss lernen geduldig zu sein und ihn hinterherkommen zu lassen. Man kann nicht immer alles erzwingen, auch wenn man das gerne hätte. So funktioniert es leider nicht. Ja, der Wille kann sehr viel und ohne ihn würde man wahrscheinlich 2/3 der Dinge überhaupt nicht schaffen, aber das letzte Drittel ist eben der Körper und der lässt sich nicht so leicht beherrschen.  Ich tue mich schwer damit meine Grenzen zu akzeptieren, aber es wird besser. Da ist es von Vorteil, dass mein Körper in diesem Punkt dem Kopf doch um eine Länge voraus ist und mir immer dann, wenn mein Kopf nicht hören will, deutlich die Grenzen aufzeigt. Ich hab das Gefühl, dass die Achillessehnengeschichte auch nicht von ungefähr kam. Ebenso das Asthma, denn auch hier zeigt mein Körper mir, dass ich geduldig zu sein habe. Bei der Diagnose vor einigen Monaten war ich der festen Überzeugung, dass es eine kurzweilige Angelegenheit wird und ich einfach wieder zurück zum alten Normalzustand gehe. Nach den letzten Monaten wurde mir dieser Zahn gezogen und meine neue Realität sieht etwas anders aus. Derzeit bin ich dabei auszuloten was meinem Körper gut tut und wie ich ihn nicht überstrapaziere.

Das ist nicht immer leicht, da ich es noch nicht gewohnt bin, dass ich nicht einfach so loslaufen kann ohne an gewisse Vorkehrungen zu denken. Gerade am Wochenende hat mir das Asthma fast meinen ersten schmerzlosen Lauf verhagelt. War mein Fehler. Ich hätte dran denken können, dass feucht-kaltes Wetter und beißender Gegenwind für Asthmatiker nicht optimal sind. Hab ich aber nicht. Die Quittung folgte postwendend ungefähr nach 3 KM des Laufes. Atemnot vom Feinsten. Es brannte in den Atemwegen und jeder Atemzug war ein Kampf. Da bekam ich es kurzzeitig mit der Angst zu tun. Denn es ließ sich nicht steuern. Keine Atemübung half. Gottseidank habe ich bereits gelernt die Wohnung nicht mehr ohne Asthmaspray zu verlassen. Das hat mir dann auch den Allerwertesten gerettet. Nachdem die Atmung ruhiger wurde, hab ich das Tempo rausgenommen. Auch hier wollte ich es eigentlich nicht, aber was soll man machen? Ich habe nur diesen einen Körper und nur weil ich ehrgeizig gern eine schnellere Pace laufen will, werde ich ihn nicht ruinieren. Vor ein paar Monaten hätte ich anders reagiert, aber aus Fehlern lernt man Gottseidank.

Es gibt Dinge, die muss man akzeptieren, auch wenn man es eigentlich nicht möchte. Gerade bei chronischen Erkrankungen sollte man sich immer wieder hinterfragen und in den Körper hineinhorchen. Das predige ich nicht erst seit gestern, aber ich bin ein gutes Beispiel dafür, dass die vielgelobte Achtsamkeit im Alltag gern untergeht. Die Hektik, der Stress, ja schlicht ergreifend das Leben verleiten einen oft dazu Fünfe gerade sein zu lassen und Warnzeichen zu überhören.

Leute, lasst euch mein Beispiel eine Lehre sein, so geht’s nicht gut auf Dauer! Hört auf euren Körper. Es ist nämlich so: der weiß ziemlich gut was geht und was nicht geht. Wenn wir uns die Zeit nehmen hinzuhören, ist das schon die halbe Miete. Was nützt es uns den neuesten Rekord zu brechen oder die meiste Kohle zu scheffeln, wenn wir hinterher körperlich und geistig einfach am Boden sind und das Ganze überhaupt nicht genießen können? Mmmmh, richtig: nada, niente, rien und rein gar nix.

Keine leichte Lektion und sicherlich eine, die erst durch viel Übung wirklich im Hinterkopf hängen bleibt, aber unglaublich wichtig.

Nehmt euch eure Auszeiten. Gönnt eurem Körper was Gutes und hört auf ihn. Ihr habt nur den einen Körper und der soll schon noch ein paar Jahrzehnte halten ;-).

Für mich persönlich heißt das die Ziele nicht überambitioniert zu verfolgen. Ja, ich werde 2016 einen Halbmarathon laufen. Allerdings nicht jetzt (am 06.03.2016 fand mein ursprünglich geplanter Halbmarathon in Paris statt) und auch nicht in einem Monat (da findet mein Alternativhalbmarathon in München statt). Ich habe jetzt Mitte des Jahres angepeilt, aber auch hier ist nichts fix. Wenn es nicht geht, dann ist im September 2016 schon die nächste Möglichkeit mit dem nächsten geplanten Lauf. Ich schaue mal, was mein Körper mir so flüstert und höre dann auf ihn. Der Halbmarathon läuft mir nicht weg und ich werde ihn laufen, aber nicht um jeden Preis. In meinem Tempo und nach meinen Spielregeln. Ich liebe das Laufen und ich will es nicht aufgeben müssen, weil ich zu viel zu schnell wollte.

Mit viel Geduld und Durchhaltevermögen wird es klappen. Nach meinen Spielregeln und in meinem Tempo.

Warum ich das nicht gleich wusste? Ach naja, es soll ja auch nicht langweilig werden und manchmal ist es eben wie das mir aus der Kindheit bekannte Sprichwort: „Wer nicht hören will, muss fühlen“. In diesem Sinne, i got it!

Weiter geht’s, denn jetzt bin ich wieder motiviert bis in die Zehenspitzen! So einfach kriegt man mich nicht unter 😉

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