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Solo in die Berge?

21. November 2017

Solo in die Berge? Nein, das ist nicht der Beginn einer neuen Serie im Format von „Bauer sucht Frau“ – auch wenn das vielleicht spannend wäre!

Wer mich kennt, weiß, dass ich sehr gerne auf eigene Faust in die Berge verschwinde. Hört man mal einen Tag nichts von mir, dann bin ich sicherlich irgendwo im bergigen Umland unterwegs. Alleine in die Berge? Aber sicher: Ein Plädoyer für die Solotour in den Bergen!

Solo in die Berge?

Es ist nicht so, dass ich ein einsamer Eigenbrötler bin (na, Alliteration à la Bauer sucht Frau lässt grüßen ;-)), ich bin sogar sehr gerne in Gesellschaft und unterhalte mich gerne und viel. Trotzdem zieht es mich immer wieder alleine in die Berge! Oft höre ich die Frage, ob ich keine Angst habe allein in den Bergen oder ob das nicht furchtbar langweilig sei. Man könne ja die Freude an den Bergen nur genießen, wenn man sie auch teilen kann.

Stimmt schon, es ist sehr schön mit anderen Menschen gemeinsam unterwegs zu sein. Manch einer kann überhaupt nicht verstehen, wieso ich mich morgens um 6 Uhr an meinen freien Tagen in Richtung Berge aufmache um dann stundenlang dort allein herumzukraxeln. Daher hier meine 2 Cents zum Thema Bergtour alleine:

Wenn ich mich morgens in mein kleines Auto setze, mit gepacktem Rucksack, heißem Tee im Becher, Musik voll aufgedreht, Sonnenbrille auf der Nase und die Berge bereits nach 2 Minuten im Auto am Horizont zu sehen, dann geht mein Herz auf. Nicht mehr und nicht weniger. Ich bin glücklich. Der Alltag fällt bereits jetzt hinter mir zurück und ich freue mich auf alles, was mir an so einem Bergtag so begegnen wird.

Vorbereitung ist das A und O!

Keine Tour ist wie die andere und die Vorbereitung auf eine Bergtour ist – gerade wenn man allein unterwegs ist – das A und O. Ich habe immer die wichtigsten Dinge dabei, gerade wenn es alleine in die Berge geht:

  • Wanderkarte
  • Wasser
  • Essen
  • Erste Hilfe Set
  • Ersatzkleidung
  • Handy
  • GPS

Außerdem versuche ich – wenn ich dran denke – immer jemandem mitzuteilen, welche Tour ich geplant habe und wann ich mich mal gemeldet haben sollte. Man merke: in den Bergen kann immer was passieren, denn der Berg ist stärker als ich und ich gehöre ihm, bis ich wieder im Tal bin. Sicherheit geht also definitiv vor.

Wenn diese notwendigen Dinge bedacht sind, dann geht es erst richtig los.

Die ersten Schritte bergauf, wenn man euphorisch bereits an die Gipfelrast denkt…ein paar Stunden später dann gern mal Ernüchterung, weil man müde wird, so ein Plätzchen auf der Couch eigentlich ganz gemütlich und viel interessanter als das Rumgelatsche auf irgendwelchen einsamen Pfaden klingt und schlußendlich der Gipfel. All das gehört dazu. All das macht es so faszinierend.

Für mich bedeutet das Wandern oder gern auch Laufen in den Bergen Freiheit. Ruhe. Glück.

Ich liebe es ganz bei mir zu sein. Mich auf den Weg zu konzentrieren. Die Natur um mich herum. Meine Schritte. Der erhöhte Puls, die schnellere Atmung. All das ist für mich die beste Entspannung, die ich kriegen kann. Ein Kurzurlaub für die Seele. Wellness für den Kopf.

Angst?

Oft werde ich gefragt, ob ich nicht Angst habe so allein unterwegs zu sein. Ehrliche Antwort: aber sicher. Liegt vielleicht auch daran, dass ich von Natur aus ein Schisser bin. Zum Beispiel leide ich unter Höhenangst. Das klingt jetzt ziemlich widersinnig, dass gerade ich dann auch noch alleine in den Bergen unterwegs bin. Ich ernte auch sehr häufig ein ungläubiges, ja fast schon tadelndes Kopfschütteln, wenn ich von meiner Höhenangst berichte. Meine Antwort? Ja, soll ich mich deshalb zuhause einsperren? Im Leben nicht. Ja, ich habe Höhenangst. Trotzdem klappt das mit den Bergen ganz gut. Ich bin natürlich dementsprechend vorsichtig und manchmal kommt es schon zu Momenten, wo mir nicht ganz wohl ist. Gerade, wenn ein Weg ausgesetzt ist. Da kommt der sture Esel in mir schon mal hervor und es braucht ein paar mal tief durschnaufen und ein oder zwei mentale Übungen, bis es weitergehen kann. Aber bisher ging es immer weiter.

Natürlich suche ich mir für meine Alleingänge aber auch Routen aus, bei denen ich davon ausgehe, dass ich sie mit meinem Können bewältigen kann. Nichts ist tragischer als Selbstüberschätzung am Berg. Das kann gut und gerne auch sehr böse enden. Daher finde ich das mit der Angst bzw. dem Respekt vorm Berg und der Höhe auch gar nicht so schlecht. Die Angst zügelt mich und hindert mich davor Risiken einzugehen, die ich nicht bewältigen kann.

Manchmal ängstigt mich auch das Alleinsein. Man wandert durch einen dichten Bergwald und begegnet keiner Menschenseele und auf einmal knackst es im Dickicht. Da geht der Puls direkt auf 180. Alle Sinne sind geschärft und die Umgebung wird plötzlich ganz anders wahrgenommen. Solche Situationen gibt es fast bei jeder Bergtour. Da frag ich mich schon, ob es wirklich sein muss, dass ich das jetzt allein mache. Diese Gedanken sind aber spätestens wenn der Puls wieder auf einem normalen Level angelangt ist auch vergessen und die schönen Momente überwiegen.

Jede Tour ist ein Gewinn

Wenn man dann das erste Mal den Blick über die Bergwelt vor einem schweifen lässt. Die Sonnenstrahlen durch die Wolken brechen und das Bergpanorama erhellen. Man tief einatmet und die kalte Luft in die Lungen strömt. Das Herz ganz aufgeregt bumpert. Dann ist es das alles wert und man ist ganz bei sich.  Für solche Momente mach ich das. Es gibt kaum etwas schöneres. Ganz bei sich zu sein. Zufrieden, glücklich. Voller Ehrfurcht vor der Natur. Frei.

Mit jeder Bergtour, die man alleine bestreitet, gewinnt man etwas. Nicht nur Bergerfahrung, sondern auch Selbstvertrauen, ein Gespür für die eigenen Grenzen. Ein Stück Frieden im Herzen.

Diese Momente sind für mich eine Flucht aus unserer schnelllebigen Zeit. Ich liebe München und das Gewusel hier. Aber manchmal wird mir das zuviel und die perfekte Entschleunigung ist dann so ein Tag in den Bergen. Am Abend auf dem Heimweg bin ich dann zwar vollkommen erschöpft und freue mich schon riesig auf ein warmes Bad und ein warmes Bett, aber ich bin ausgeglichen, entschleunigt und tiefenentspannt. Diese Flucht aus dem stressigen Alltag brauche ich mittlerweile auch tatsächlich. Ein Leben ohne die Berge und ohne diese kleinen Auszeiten für mich kann ich mir heute gar nicht mehr vorstellen.  Alleine in die Berge? Ein ganz klares JA von mir!

…und wenn man dann so einen Ausblick ganz für sich allein genießen kann, ja also ganz ehrlich: worauf wartet ihr noch? Eine gute Tour als Einstieg ist zum Beispiel das Fellhorn am Chiemgau.

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