Allgemein, Motivation

Laufspaß

14. Februar 2016

Ehrlicherweise hatte ich einen ganz anderen Beitrag geplant, aber wie das so ist, man plant etwas und am Ende kommt es ganz anders. So auch in diesem Fall.  Trotzdem liegt mir das Thema am Herzen und brennt mir auch unter den Nägeln.

Wenn ich in letzter Zeit in den sozialen Netzwerken meine üblichen Verdächtigen verfolge und schaue, was so gepostet wird, dann komme ich nicht umhin zu bemerken,  dass es nur noch um Zahlen und Leistung geht. So viele Berichte wirken auf mich verkrampft und verbissen und davon getrieben sich auf jeden Fall zu verbessern und unbedingt die selbstgesteckten, hohen Ziele zu erreichen.

Da schrillt bei mir eine Alarmglocke und sie wird mit jedem neuerlichen grimmig und bestimmt blickenden Kampfgesicht auf den Fotos lauter. Haben die Leute da nicht irgendwas vergessen oder hab ich eventuell etwas falsch verstanden? Ein Memo verpasst eventuell? Geht es nur noch darum noch eine Zehntelsekunde schneller zu werden, noch ein hunderstel Kilometer länger laufen zu können und dabei nur noch die besten Nährstoffe zuzuführen um die eigene Leistung bestmöglich zu optimieren?

Von mir kommt dann ein klares Nein.

Für mich persönlich darf das Laufen nicht zum Zwang werden, ich möchte nicht das Gefühl haben raus zu müssen (ACHTUNG, damit meine ich nicht den inneren Zwang, der mir die Laufschuhe überstülpt, obwohl der Schweinehund mit aller Macht versucht diese von meinen Füßen fernzuhalten), und ich mag auch nicht davon besessen sein noch eine Sekunde schneller zu werden, noch einen Kilometer ranhängen zu müssen.

Ich will einfach nur laufen. Ohne viel Schi-Schi. Ohne viel Tam-Tam. Schuhe an und raus.

Es gibt tausendundeinen Ratschlag wie man von jetzt auf gleich zum Marathoni wird. Doch wenn ich mir all diese Tipps, Tricks und Hochglanzbilder so anschaue, da wird mir manchmal ganz schwindelig. Ich weiß ja nicht, wie es euch so geht, aber mir ist es schon passiert, dass ich mich in all dem Informationswust verloren habe. Welchen Tipp sollte ich am besten befolgen, welcher Trainingsplan ist das Nonplusultra und welcher Schuh hilft mir schnell wie der Blitz zu werden? Und verdammt nochmal, woher krieg ich das Wundermittel, was mich auf jedem Bild picture-perfect aussehen lässt?!

Gottseidank konnte ich mich bisher immer wieder auf das besinnen, worauf es meiner Meinung nach wirklich ankommt. Den Spaß am Laufen. Ich hab doch gar nicht vor einen Marathon in 2 Stunden zu laufen und ich hab auch keine Lust mich beim Laufen getrieben von etwas zu fühlen. Wenn ich lese, dass jemand ein Sklave seines Trainingsplans ist, sorry, aber da hörts auf. Da streike ich. Ich habe mit dem Laufen angefangen um gerade kein Sklave von irgendwas zu sein. Weil ich mich befreien wollte von so vielem. Weil es mir gut tut rauszugehen, meinen Körper zu spüren und die Leistung, die er einfach so zu vollbringen vermag. Das Gefühl, wie alle Muskeln und Sehnen zusammenarbeiten und mich Meter um Meter vorwärts bringen. Jemand Ambitionierteres wird mir jetzt vielleicht vorwerfen, dass ich keinen Biss habe und keinen Ehrgeiz. Hmmm, ja, kann schon sein..ach nee, Moment: so ein Quatsch!

Hab ja wohl ein Ziel! Halbmarathon – Egal wie lang ich dafür brauche und einfach weil ich es machen will.

Um eines direkt klarzustellen: Damit möchte ich niemandem seine eigenen Ziele absprechen! Ich bewundere die Hochleistungssportler für ihren Ehrgeiz. Man sollte trotzdem die Kirche im Dorf lassen. Diese Menschen sind Topathleten, die den Sport zu ihrem Beruf und ihrer Berufung gemacht haben. Das ist großartig und dass es da um ganz etwas anderes geht, als bei mir, versteht hoffentlich jeder. Ich hingegen laufe um zu laufen. Klar will ich mich dabei steigern und Fortschritte sehen. Das ist auch vollkommen legitim und gehört dazu, ich würde meinen es ist in der menschlichen Natur sogar angelegt. Trotzdem bin ich weder ein Dieter Baumann, noch ein Hahnertwin und ich werde auch nie zu dieser Kategorie Läufer gehören.

Denn wie die meisten anderen Menschen, habe auch ich einen Fulltime-Job und laufe nicht um damit meinen Lebensunterhalt zu bestreiten, sondern weil es Spaß macht. Meistens macht es genau das, einen Heidenspaß und ich L-I-E-B-E das Gefühl jede einzelne Faser meines Körpers zu spüren während ich einen Fuß vor den anderen setze und dabei Grenzen überschreite. Während ich schwitze, hochrot anlaufe und echt k.o. bin, ja während all diesen Dingen ist da immer noch diese unbändige Freude. Das Gefühl, dass mein Körper das alles kann und zwar gar nicht so schlecht. Dass ich kein Auto und kein Fahrrad brauche um mich fortzubewegen.  Kein Hilfsmittel nötig – wie geil ist das?

Das ist das Fundament von alledem: der Spaß an der Sache. Die Freude an der Bewegung. Dieses Gefühl, das einem das Laufen vermittelt. Solange das nicht verloren geht, feile ich auch gern an der Lauftechnik und steigere meine Leistung indem ich das ein oder andere Fahrtenspiel einlege oder nen Fersenlauf absolviere, auch wenn ich just in dem Moment eventuell nicht gerade die größte Lust darauf hab. Außerdem schadet es ja auch dem Bewegungsapparat nicht seine Technik zu verbessern und somit Verletzungen vorzubeugen (das ist für mich der Knackpunkt : alles toll und schön, solange man eben nicht nur auf die Parameter schaut, sondern auch einfach das Laufen genießen kann).

Übrigens ist es auch vollkommen okay mal keinen Bock auf Sport zu haben, das gehört dazu, solange man nicht direkt die Flinte ins Korn wirft. Es gibt solche Tage: Null-Bock-Tage. Da würde man gerne auf der Couch liegen bleiben und manchmal muss man das vielleicht auch. Hier gilt – wie übrigens eigentlich immer – alles in Balance.

Es läuft nicht immer rund und bei aller Liebe zum Laufen, das muss es auch nicht. Das Laufen gehört zum Leben und das Leben hat Höhen und Tiefen. Das macht es ja auch so spannend. Das sollte man nicht vergessen, wenn man all die schönen bunten Bildchen in den Sportmagazinen, bei Facebook, Instagram und Co. betrachtet und sich wundert, warum man selbst nie leicht rosig sondern knallrot im Gesicht ist und es bei den Menschen auf den Bildern immer so einfach ausschaut. Das ist es nicht. Diese Bilder sind Momentaufnahmen, die das große ganze Bild niemals vollständig erfassen können.

Man sollte den gesunden Menschenverstand nicht beim Einschalten des Handys/PCs ausschalten. Ja, es gibt viel zu sehen, viele bunte Bildchen von Menschen, die locker die 25 km runterreißen. Dabei sitzt das Outfit, die Hautfarbe ist wie immer, keine hektischen Flecken, von Schweiß keine Spur.

Da kann man schonmal frustriert an sich selbst runterschauen und das genaue Gegenteil feststellen.

Ich spreche mich davon nicht frei. Gehöre ich doch auch zu der Fraktion, die Bildchen postet und zugegebenermaßen auch lieber die vorteilhaften Bilder auswählt. Trotzdem find ich es super Bilder zu posten, bei dem ich nicht unbedingt von meiner Schokoladenseite getroffen bin und man mir ansieht, dass ich gerade gesportelt habe und es mich angestrengt hat. Während des Laufens seh ich meistens semi-gut aus und ich schwitze auch. Ja, ich mag die Hochglanzbildchen, aber es ist noch motivierender zu sehen, wenn jemand genau wie ich abgekämpft ausschaut, aber trotzdem Spaß an der Sache hat und sein Ding durchzieht. Davon könnte ich mir den ganzen Tag über Bildchen reinziehen. Genauso verfolge ich gerne Leute, die sich drüber freuen ihre Grenzen wieder ein Stück weiter geschoben zu haben – das ist doch super!

Aber zurück zum eigentlichen Thema: Spaß am Laufen.

Bitte bitte hinterfragt euch hin und wieder kritisch und schaut, dass ihr nicht zu ehrgeizig an die Sache rangeht. Das Laufen ist so ein toller Sport, der auch einfach soviel mehr als die neue Bestzeit bedeutet (schaut euch auch mal die Gegend um euch rum an und nicht nur das Display der Pulsuhr – diese kleinen Momente sind nämlich Gold wert). Ich laufe ja noch gar nicht so lange, aber selbst in dieser kurzen Zeit habe ich unglaublich viel gewonnen.

Laufen fordert ziemlich viele unterschiedliche Muskeln und verbrennt dabei auch noch ordentlich Kalorien.  Der gesundheitliche Gewinn ist also immens (gilt übrigens gerade auch für Asthmatiker, wie mich!). Außerdem hab ich Zeit für mich gewonnen, da ich mir während des Laufens Gedanken über die unterschiedlichsten Dinge mache (wenn ich grad nicht gegen meinen Schweinehund kämpfe ;-)) oder Musik höre, ein Hörbuch..egal was, die Zeit, während ich laufe ist meine persönliche Auszeit. Außerdem und da muss ich schon wieder eine Lanze fürs Laufen und die Läufer brechen – außerdem habe ich bereits jetzt schon so viele tolle Bekanntschaften gemacht und es begeistert mich immer wieder aufs Neue, wie wenig Neid in den Reihen der Läufer herrscht. Ich bin gespannt, was da noch kommt, aber ich hab das Gefühl, das wird noch mehr und es werden sich noch so einige Freundschaften aus diesem Hobby heraus ergeben.

Kurzum: ich liebe das Laufen und ich finde es sehr schade, dass es augenscheinlich so viele gibt, die verbissen an die Sache herangehen und nicht einfach genießen. Ich würde mich freuen wieder mehr verschwitzte, aber  glückliche Gesichter zu sehen.

Also Schuhe an und raus: Laufen.   

PS. Wenn ihr mich mal beim Laufen sehen solltet, dann kann es durchaus sein, dass ich zwischendurch einfach in die Luft hopse, weil ich mich grad so freue, dass ich am Laufen bin. Passiert tatsächlich ;-).

You Might Also Like