Gesundheit, Trainieren, Training, Verletzungen/Erkrankungen

Laufen mit Asthma?

17. Januar 2016

Hallihallo Hallöchen in 2016,

lang war es ruhig hier, da ich ja nicht sporteln konnte und durfte. Aber 2016 geht es wieder los (auch hier auf dem Blog mit einem für mich brandaktuellen Thema): Asthma und Sport bzw. im Speziellen Asthma und Laufen.

Denn ich habe Asthma.
und…trommelwirbel…ich laufe trotzdem oder auch deshalb.
Außerdem gehe ich regelmäßig klettern und ins Fitnessstudio *schock*.

Das Asthma ist unter anderem auch der Grund, warum ich in den letzten Monaten keinen Sport treiben konnte. Ich hatte mir zu einer Erkältung noch eine Superinfektion und um das Ganze noch schicker zu machen auch noch eine weitere langwierige Atemwegsinfektion angelacht. Durch all diese Erkrankungen ist mein Asthma leider exorbitant schlimmer geworden.
Aber ich beginne von vorn:
Vor etwa 1.5 Jahren wurde bei mir allergisch bedingtes und Anstrengungs-Asthma diagnostiziert. Klingt dramatisch, ist es aber eigentlich nicht. Trotzdem noch weiter von vorn.
Was ist Asthma?
Asthma ist eine chronische Entzündung der Atemwege. Das Bronchialsystem reagiert in bestimmten Situationen, wie in schadstoffbelasteter Luft, kalter Umgebung oder bei verstärktem Pollenflug überempfindlich. Die Schleimhaut schwillt an. Es kommt zu einer vermehrten Produktion von zähem Schleim und zu einem krampfartigen Zusammenziehen der Atemmuskulatur, was zu einer massiven Verengung der Bronchien und letztendlich zu akuter Atemnot führt. Bekannt sind vor allem die fiesen Asthmaattacken, die sich in akuter Atemnot äußern. Deshalb beherbt auch fast jeder Asthmatiker auch ein Notfallspray, welches bei einem akuten Anfall die Atemwege wieder weitet. Ich habe meines mittlerweile ständig bei mir und vor allem auch beim Laufen.
Jeder Asthmatiker reagiert auf unterschiedliche Reize, weshalb man nicht generell sagen kann, was Beschwerden auszulösen vermag. Bekannt ist aber z.B. bei allergisch bedingtem Asthma das jeweilige Allergen, bei nicht allergischem kann es Anstrengung, Kälte, Zigarettenrauch oder ähnliches sein. Außerdem ist auch das Beschwerdebild unterschiedlich. Von Atembeschwerden bis zur Atemnot ist alles dabei.
Zu meinem Fall: ich habe meinen Heuschnupfen früher nicht ernst genommen und unbehandelt gelassen. Dies hat bei mir dann zu Asthma geführt. Als es diagnostiziert wurde, hat der Arzt leider nicht so wirklich Ahnung gehabt und mich falsch instruiert. Dadurch konnte sich das Asthma langsam stärker ausbilden und durch die langwierigen Infektionen ist das Ganze nun richtig unangenehm geworden. Daher wird derzeit Cortison inhaliert um meine Atemwege und Schleimhäute heilen zu lassen. Das ist nicht schön, aber es ist jetzt so und vor allem auch nur für die akute Phase.
Laut Lungenarzt darf und soll ich aber ruhig Sport treiben und auch mein großes Ziel Halbmarathon ist definitiv machbar.
Denn wo früher dem Asthmatiker zur körperlichen Schonung und Meidung von Anstrengung geraten wurde, heißt es heute ganz klar: Sport und Bewegung sind gut gegen Asthma und sollten sinnvoll und der eigenen Leistungsfähigkeit angepasst ausgeübt werden.
So sind zahlreiche Studien zu dem Ergebnis gekommen, dass gerade Ausdauersport bei Asthma indiziert ist und trainierte Asthmatiker sind fast genauso leistungsfähig wie unerkrankte Sportler (siehe schon 2005: http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/asthma/article/357788/sport-stabilisiert-bronchien-asthma-patienten.html). Übrigens gibt es auch Spitzensportler, die an Asthma erkrankt sind, wie beispielsweise Anna Friesinger-Postma und Sandra Völker.
Aber nun mal Butter bei die Fische:
Ich bin weder Medizinerin, noch Biologin, aber denken kann ich ganz gut.
Lesen und recherchieren klappt auch.
Was aber viel viel wichtiger ist: Ich habe gelernt auf meinen Körper zu hören. Richtig hinzuhören und danach zu handeln.
Mein alter Sturkopf mag zwar manchmal nicht so wie der Körper es sag, aber mein Körper hat Mittel und Wege auch den Kopf zu überzeugen ;-). Unabhängig vom Asthma, bin ich ohnehin der Meinung, dass es nie verkehrt ist auf den eigenen Körper zu hören. Das sollte einjeder tun, denn mal ehrlich: unsere Körper sind Rockstars. Biologische Wunderwerke mit Mechanismen, die so diffizil sind, dass ich noch nicht mal ansatzweise verstehe, wie das alles so reibungslos hinhaut.
Und eben dieses funktionierende Uhrwerk in unserem Inneren sollten wir respektieren und nicht versuchen auf Biegen und Brechen unseren Willen durchzusetzen oder einfach nicht hinzuhören, weil wir nicht hören wollen. Denn wenn wir hinhören und dementsprechend handeln, machen wir nicht viel falsch. Klar, ne Grippe werden wir so meistens nicht abwenden können. Aber Sportverletzungen oder verschleppte Infekte kann  man da recht leicht vermeiden. Oder eben Asthmaattacken oder Verschlimmerungen von anderen chronischen Erkrankungen.
Es lässt sich immer leicht reden, das ist mir auch klar, aber wenn man sich drauf einlässt, wird man sicherlich belohnt.
Für mich ist es im Hinblick auf mein Immunsystem, das Asthma und z.B. das Thema Ernährung unabdingbar geworden auf meinen Körper zu hören. Ich weiß ziemlich gut, was ihm gut tut und was er leisten kann. Nur manchmal hapert es an der Umsetzung.

Zurück zum Thema Asthma und Sport: Sport und dabei insbesondere Ausdauersport ist bei Asthma absolut zu empfehlen. Keine Angst vor Anstrengung!

Ich will nicht lügen. Ja, es kann mal zu Problemen kommen. Schließlich ist Anstrengung ein Triggerpunkt für Asthma. Aber das strikte Vermeiden macht alles schlimmer. Desto weniger der Körper an Anstrengung gewöhnt ist, desto schneller wird es zu einer Atemnot kommen. Ich erlebe das selbst gerade am eigenen Körper. Gerade heute bin ich wieder laufen gewesen. Bei Minusgraden und zum ersten Mal seit 10 Tagen. Es war anstregend und mein Asthma hat die Anstrengung nicht so gut verkraftet. Ich hatte aber meinen Inhalator dabei. Ein kurzer Pumpstoß, eine kurze Gehpause und es konnte weitergehen. Ich bin zwar langsam gelaufen, aber ich bin gelaufen. Ich weiß, dass es auf lange Sicht gut tut, auch wenns sich in dem Moment dann eher semi-toll anfühlt und man sich am liebsten auf den Boden werfen mag um rumzujammern und einen Tobsuchtsanfall zu bekommen. Aber was hilft das?
Sportliche Betätigung ist daher zu empfehlen und sinnvoll. Warum?
1. Die Muskulatur wird trainiert, was für einen akuten Asthmaanfall sehr wichtig ist.
2. Die Sauerstoffaufnahme nimmt zu (und was wenn nicht Sauerstoff brauchen wir Asthmatiker unbedingt?!).
3. Das Gefühl der Atemnot verringert sich durch die Gewöhnung an die körperliche Anstrengung- die Toleranzgrenze zum Anfall wird so stetig erhöht.
4. Die Abwehrkräfte werden gestärkt – auch für Asthmatiker wichtig, schließlich kann jeder Infekt zu einer Exaberzion (=Verschlimmerung) des Asthmas führen.
5. Regelmäßiges Ausdauertraining erhöht die Atemtiefe und die Atemfrequenz wird niedriger. Belastungen können dadurch mit einem geringeren Atemaufwand geleistet werden.
Was sollte man zusätzlich beachten?
  • Das Training langsam beginnen und an die eigene Leistungsfähigkeit anpassen. AUFWÄRMEN! Ja, es ist lästig, aber gerade für Asthmatiker wichtig (Stichwort Gewöhnung an die Belastung!)
  • Nichts überstürzen, man muss sich eventuell dran gewöhnen alles etwas langsamer anzugehen (daran arbeite ich noch).
  • Die eigenen Medikamente regelmäßig einnehmen, das ist sehr wichtig um die Krankheit nicht zu verschlimmern.
  • Notfallspray immer dabei haben.
  • Bei einem akuten Anfall auf jeden Fall ruhig bleiben, eine Pause einlegen, ggf. das Notfallspray anwenden und langsam weitertrainieren. Sollte es trotzdem nicht gehen, muss das Training abgebrochen werden. Hier kommt wieder das Hören auf den eigenen Körper ins Spiel. Der sagt einem schon was angebracht ist.
  • regelmäßig zur ärztlichen Kontrolle und Peak-Flow-Messungen nicht vergessen (Asthmatiker wissen wovon ich spreche, für alle anderen: mit einem Peak-Flow-Meter kann man messen, ob die Atemwege aktuell verengt sind, führt man diese Messungen regelmäßig durch, so kann man sehen was einem gut tut und was nicht)

Ansonsten: viel Spaß beim Sport 🙂 Lauft los, geht raus, bewegt euch, denn es tut einfach gut!

 

PS.Jeder von euch, der mit einer chronischen Erkrankung Sport treiben möchte, sollte sich einer ärztlichen Untersuchung unterziehen, dieser Artikel ist nur meine gesammelte Erfahrung und das von mir zusammenrecherchierte Wissen!

 

You Might Also Like