Allgemein, Body & Soul, Motivation

Läuft bei mir….nicht.

15. September 2017

„Läuft bei Dir“ ist im Moment ein Satz, der so häufig gesagt wird, dass es einem schon fast aus dem Halse heraushängt. Wie gut, dass ich daher derzeit eher das Gegenteil verkünden kann, zumindest in Bezug aufs Laufen.

Läuft nicht bei mir. Läuft quasi rückwärts und zwar kriechend.

Im Moment fällt mir das Laufen einfach furchtbar schwer. Irgendwo auf der Strecke ist der Spaß daran abhanden gekommen und irrt nun hilflos durch den Wald habe ich das Gefühl. Meine Trailschuhe werden nur noch zum Wandern ausgeführt oder im Auto herumgefahren. Gleiches gilt für die Straßenlaufschuhe, denn die liegen seit 4 Wochen in meinem Kofferraum, weil ich mir immer dachte, dass ich nach der Arbeit ja noch schnell ne Runde laufen gehen könnte, solange das Wetter es noch zulässt.

Kennt ihr das? Wenn es mal nicht so läuft?

Seitdem ich das mit dem Laufen angefangen habe, war Laufen zwar mal durch Verletzungen nicht möglich und das ein oder andere Mal ist so ein Lauf auch eine rechte Quälerei, aber so ganz grundsätzlich hatte ich schon immer Bock aufs Laufen. Trotz diesem ich-quäl-mich-jetzt lief es einfach und hat mir gut getan. Einfach ein gutes Gefühl. Im Moment hab ich das nicht. Naja…oder theoretisch schon, aber praktisch schalten die Synapsen nicht richtig um das auch vom Hirn zu den ausführenden Gliedmaßen zu kommunizieren. Denn der Wunsch bleibst stets der Vater des Gedanken. Ich denke mir dann: ja, morgen, da geh ich mal wieder laufen, ganz sicher! … und dann finde ich tausendundeine Ausrede um doch nicht laufen zu gehen. So soll das doch nicht sein! Obendrein ist es frustrierend, da ich mir natürlich immer wieder Deadlines setze und diese dann weiter verschiebe. Bestes Rezept zum Unglücklichsein.

Was tut man da? Zwingt man sich oder lässt man es einfach bleiben und wartet ab, bis die Phase vorüber ist?

Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber ich habe mich nach einem langen Denkprozess und intensiven Diskussionen mit mir selbst für letzteres entschieden (zumindest für den Moment). Wenn ich eins nicht möchte, dann den Spaß am Laufen komplett zu verlieren. Die Wahrscheinlichkeit ist aber relativ hoch, dass genau das die Folge von einem Laufzwang wäre. Allein wie sich das Wort Laufzwang bereits anhört… Da krieg isch Plaque!

Laufen darf in meinen Augen wirklich nichts, aber auch gar nichts mit Zwang zu tun haben. Natürlich gibt es Leistungssportler, die sich sicherlich mal zum Training zwingen müssen. Auch der ein oder andere Freizeitsportler hat schon mal trainiert, weil der Trainingsplan das vorsah. Trotzdem halte ich nichts davon mich zu etwas zu zwingen, nur um hinterher den Haken hinter eine Einheit machen zu können (und dass, obwohl ich wohl der größte Fan ever von Checklisten und to-do-Listen bin). Dafür ist mir das Laufen zu wertvoll (siehe www.dasistdochwahnsinn.com/laufenisteingeschenk).

Laufen, das ist eine Flucht aus dem Alltag, mein Happy Place. Meine Oase (klingt komisch, ist aber so!).

Meine Überlegung ist die Folgende: wenn ich mich zwinge zu laufen, dann raube ich mir diesen Ort. Die Rückzugsmöglichkeit. Ich habe das große Glück mit dem Sport nicht meinen Lebensunterhalt zu verdienen und daher auch mal außerplanmäßig pausieren zu können. Sicherlich ist es toll sich mit dem, was man liebt, sein täglich Brot zu verdienen, aber ich befürchte, es ist dann nicht mehr so rosig, wenn man muß, obwohl man gerade nicht will/kann… Das stelle ich mir sogar ziemlich ätzend vor und aus eigener Erfahrung weiß ich, dass nichts frustrierender ist, als etwas tun zu müssen, was man eigentlich gerne tut, aber gerade nicht tun kann.

Und daher höre ich auf mich zu quälen und zu versuchen etwas zu erzwingen.

Bevor ich die Schuhe an den Nagel hänge und mir das Laufen verleide, mache ich Pause. Auf unbestimmte Zeit,  solange es sein muss und bis zu dem Punkt, wo es wieder anfängt mich zu reizen die guten alten Schuhe zu schnüren und einfach loszulaufen. Das Gefühlt kennt ja jeder, der gerne läuft. Dieses Kribbeln, die Füße nicht mehr stillhalten zu können und raus zu müssen. Hach, das will ich wieder spüren.

Bis ich das nicht wieder habe, gibt es genügend andere Sportarten, die herhalten müssen ;-). Klettern, Wandern, Bergsteigen, Radl-fahren, Yoga….oder mal was ganz anderes. Der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt und wer weiß? Vielleicht werde ich ja die nächste Kathi Witt (haha, sicherlich nicht, aber ein Versuch war’s wert!).

Diese  Entscheidung war eine schwere Geburt, aber wie sagt man so schön: nothing worth having comes easy.

PS. Vorfreude ist ja angeblich auch die schönste Freude!

… und ich freu mich jetzt schon diebisch auf den ersten Lauf, der mir wieder richtig Spaß macht!

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1 Comment

  • Reply Hans 15. September 2017 at 12:33

    Hallo Nadine,
    einen gewissen Druck braucht es immer, rauszugehen und weiter als bis zur Bushaltestelle zu laufen. Sei es (wie bei mir) die Kalorienbilanz oder die Verbesserung bei der Verdauung, ein bevorstehender Wettbewerb, soziale Verpflichtungen wie ein Lauftreff oder auch ganz einfach Ausnutzen der Gelegenheit, an der frischen Luft zu sein und dabei mehr zu sehen und zu erleben als beim Spazierengehen oder Im-Café-Sitzen!

    Manchmal fehlt dieser Druck und dann stellt man plötzlich fest, dass die Woche nur 9 ziemlich mühsame Kilometer gebracht hat. Allerdings übersieht man dabei gerne, dass durch die Laufpause auch eine Regeneration stattfindet, tiefer als sonst und nachhaltiger. Auch, wenn jetzt bei sporadischen Läufen Zipperlein auftreten. Der Körper hat nun die Chance, die „alten Verletzungen“ richtig durchzuheilen.

    Wenn du nur selten läufst, wird auch der Endorphinspiegel niedriger sein und du brauchst vielleicht länger, das Laufen als Glück anzusehen. Dagegen hilft mir in erster Linie der Lauftreff, da habe ich schonmal einen Fixtermin und als zweites Standbein Läufe in neuer Umgebung oder zu unüblichen Tageszeiten. Oder mal bei Nieselregen. Zum Beispiel durch Neuperlach und dort Brücken und Unterführungen suchen…

    Mein Eindruck ist, dass du in relativ kurzer Zeit ganz schön viel erreicht hast und dir jetzt körperlich wie seelisch eine kleine Pause gut tut. Du wirst sehen, bald kribbelt es wieder und du bist wieder mehr in der Luft als auf dem Boden!

    Alles Gute,
    Hans

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