Allgemein, Motivation

2016 – Du warst gut zu mir!

30. Dezember 2016
Karwendelmarsch

Wir schreiben den 30. Dezember des Jahres 2016 und da bin ich leicht sentimental.

Seltsam, dass ein schnöder Wechsel der Jahreszahl so etwas mit sich bringt. Tut er aber, zumindest bei mir. Zeit um das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen.

2016.

Für mich ein Jahr mit extremen Höhen und extremen Tiefen. Himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt.

Sportlich definitiv mein bestes Jahr (was um ehrlich zu sein auch nicht besonders schwer ist, wenn man mein ehemaliges Couchpotato/Fauli-Ich als Maßstab nimmt).

Das  sportliche Jahr 2016 begann mit einem Vorsatz in 2015, den viele schlichtweg für wahnsinnig hielten. Nadine will 2016 einen Halbmarathon laufen.

Vorsätze sind schnell formuliert, doch die harte Arbeit kommt danach. Das erste Halbjahr 2016 versuchte ich fortwährend meinen Vorsatz in die Tat umzusetzen, aber Verletzungen, unfreiwillige Laufpausen und das Leben als solches führten immer wieder dazu, dass ich geplante Läufe absagte und mein Vorhaben beständig aufschob – aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben und so.

Durch dieses ewige Aufschieben litt vor allem meine Motivation extrem. Stimmen der Zweifler wurden lauter und mein eigener innerer Nörgler stimmte ihnen nicht nur zu, nein er setzte immer noch einen drauf: Wieso soll ich das schaffen? Ich, die schon bei 5 km keuchend und fluchend am Wegrand liegt, Probleme hat durchzuhalten, den Kopf nicht auf Reihe bekommt. Dazu Asthma, dass immer wieder wie ein ekelhafter, hässlicher Troll aus seinem Loch hervorlugt..kurzum: jede erdenkliche Ausrede war mir recht, ich hab sie geschnappt und mich dran festgehalten. ICH war natürlich nicht schuld! Nein, nein, die Umstände waren es. Ganz klar.

Irgendwann hab ich mich selbst – mit Verlaub – nur noch angekotzt und konnte das Geleiere der Ausreden nicht mehr hören. Während ich auf den sozialen Netzwerken so vielen tollen Sportlern folgte und sie für ihren Ehrgeiz und ihren Biss bewunderte, wurde ich mehr und mehr zu der Person, die ich vor ein paar Jahren verabschiedet hatte. Die faule Nadine, die ihren Zielen nicht folgt und die Welt für ihr Übel verantwortlich macht.

Also hieß es: Tabula Rasa.

Eines Morgens aufgestanden, die Laufschuhe geschnürt und wieder losgelaufen. Zwischenziele gesteckt und sie dann auch eingehalten. Neuanfang.

Begonenn mit dem Wings for Life World Run im Mai in München. Es wurden 8.5 km bis das Catcher Car mich einkassierte. Für viele Teilnehmer eine lächerlich kurze Distanz, aber für mich der Meilenstein im Kopf. Die Community, die tollen Läufer und Läuferinnen, die ich dort kennenlernte, das half mir wieder Fuß zu fassen und meinen Kopf einzunorden. Blut geleckt sozusagen.

Im Juni ging es dann nach Salzburg zu meinem ersten mini Trailrun. 11.5 km mit 266 Höhenmetern. Der City Trail des Mozart 100. Vorab wieder enorme Zweifel und sogar ein wenig Angst. Ich wollte ums Verrecken nicht Letzte werden. Da kam mein Ehrgeiz zum Vorschein. Außerdem stelle ich ganz definitiv nicht das Paradebeispiel einer Läuferin dar. Dafür bin ich zu rund und zu klein. In meinem Kopfkino würden alle über mich lachen und sich denken, was will denn die Dicke hier? Wie man sich selbst schon vor dem ersten Laufschritt ins Aus schießen kann, hab ich im Vorfeld zum diesem Lauf sehr vorbildlich gezeigt. Na immerhin ein Paradebeispiel. 

Letzte wurde ich nicht. Ich wurde Drittletzte, hatte zwischendurch einen Asthmaanfall, weil ich ein leeres Notfallspray mit mir rumschleppte und hätte mich gerne vom Kapuzinerberg schnöde herunterrollen lassen. Aber ich habe fürs Leben dazugelernt bei diesem Lauf: Läufer sind einfach nur klasse. Punkt.

Denn als ich meinen absoluten Tiefpunkt hatte, kamen von hinten zwei Läufer der 55km Distanz und nahmen mich in ihre Mitte. Sie quatschten mit mir bis wir gemeinsam ins Ziel einliefen. Hielten mich bei Stange und trotz ihrer eigenen Erschöpfung nach 55 km trugen sie mich mit ihrer Art und Hilfe ins Ziel. Das werde ich niemals vergessen. Ich habe eine Gänsehaut und mir stehen schon wieder die Tränen in den Augen wenn ich daran zurückdenke. Bei all dem Wettkampf und Zielzeiten etc. waren sie für mich da, als ich es am allermeisten brauchte. Wahnsinn!

Meinen Körper habe ich damals vollkommen überfordert, aber das war es wert. War es klug? Nein. Aber es musste sein.

Mein absolutes Highlight in meinem bisherigen Läuferleben war dann der Karwendelmarsch im August. 52 km und 2281 Höhenmeter durch das Karwendelgebirge Ende August bei über 30 Grad.

In einer Laune von Übermut hatte ich mich im Mai dafür angemeldet. Meine Lauffreundin Nina hat sich auch recht schnell angeschlossen und so ging es dann im August nach Scharnitz. Um Gottes Willen war ich nervös. Die Nacht vor dem Lauf, der um 6 Uhr startete, hab ich quasi 2 Stunden geschlafen. Ich war so zittrig, dass das Packen meines Laufrucksacks fast in einem Nervenzusammenbruch endete. Der Lauf selbst war toll. Extrem anstrengend und zeitweise hab ich mich, mein Leben, alle anderen, die Berge, die Sonne und gefühlt tausend andere Dinge verflucht. Wieder halfen mir zwei Mädels dabei nicht aufzugeben, als ich dachte, dass es einfach nicht mehr geht.Beim Zwischenziel in der Eng nach 35 km dachte ich, dass ich krepiere. Aber Überraschung: bin ich nicht.

Nach 12 Stunden lief ich ins Ziel ein und hatte das große Glück einem anderen Teilnehmer ein wenig davon zurückgeben zu können, was ich beim Mozart 100 und ein paar Stunden zuvor erfahren durfte, da er kurz vorm Ziel an mir vorbeitrabte und dann fast aufgab. Wir liefen nebeneinander ins Ziel ein, nachdem ich ihn mir schnappte und mitzog. Auf den letzten Metern gab es für mich noch einen Cheat-Song, den Einzigen des Tages. Absolute Erschöpfung und pure Glückseligkeit. Es könnte sein, dass ich in meinem ganzen Leben noch nicht so stolz wie in dem Moment war, als ich merkte, dass ich es tatsächlich schaffen würde. Ich hab geheult wie ein Schloßhund. Es gab schon viele Momente in meinem Leben, wo ich mich durchbeißen musste, aber dieser hier ist sehr sehr sehr weit oben. Allen eigenen Zweifeln zum Trotz das Ziel erreicht. Den eigenen Schweinehund in seine Schranken verwiesen, die körperlichen und mentalen Hindernisse überwunden. Pfoah. Geil war’s!

Ein paar Tage später bin ich nach Schottland gereist und hab dort die Trails in den Highlands unsicher gemacht – richtig, richtig toll war es und genau das Richtige um meinen Kopf vorzubereiten für mein in 2015 selbst ernanntes Ziel für 2016. Der Halbmarathon.

Am 18.September im strömenden Regen hab ich am Tegernsee meinen ersten Halbmarathon gefinished. Es war ein ziemlicher Kampf, gerade auf die letzten 5 km, aber es war die ganze Zeit über einfach nur toll. Ziel erreicht. Mein Kopf konnte es lange Zeit nicht ganz fassen, dass es wirklich so war, aber ja, nach etlichen Monaten, in denen ich nicht mehr daran geglaubt hatte, dass ich es doch noch schaffen würde in 2016 einen Halbmarathon zu laufen, war es dann doch geschehen.Halbmarathon Tegernsee

 

Danach folgten noch hier und da ein paar schöne Trainingsläufe in den Bergen, die Staffel beim München Marathon mit einem ziemlich tollen Zieleinlauf und ein Straßenlauf in Waldperlach. Es wurde einfach gelaufen. Weil ich das Laufen liebe, auch wenn ich manchmal ziemlich fluche. Trotzdem zieht es mich immer wieder in die Berge, denn ja, die Trails und gerade die in den Bergen haben es mir angetan. Das wird 2017 definitiv meine Herausforderung werden, mehr dort zu laufen, Spaß dabei zu haben und mich zu verbessern (ein paar  Läufe stehen auch schon im Kalender ;-)).

2016 hat mir persönlich viel gegeben. Es hat viel Kraft gekostet und mich aus meiner Komfortzone teils mit Lichtgeschwindigkeit herauskatapultiert, aber der Lohn war immer größer als die Strapazen. Ich bin sehr stolz auf meine eigene Leistung und ich freue mich vor allem über die tollen Bekanntschaften, die ich machen durfte. Außerdem hab ich viel über mich gelernt, mich weiterentwickelt und bin stärker und fitter geworden! 2016 – Du warst gut zu mir.

2017 – bring it on.

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8 Comments

  • Reply Cindy 30. Dezember 2016 at 14:15

    Schöner Rückblick Nadine und starkes ich 😉 weiter so und ich freue mich auf deine Erlebnisse 2017. LG Cindy

    • Reply Nadine 30. Dezember 2016 at 14:17

      Danke Dir 🙂 ich freu mich auch – und schön, dass Du in 2016 auch dazugekommen bist 🙂 LG

  • Reply Ultramädchen 30. Dezember 2016 at 20:35

    Boah, dein 2016 war wirklich spannend 🙂 weiter so! Vielleicht seh ma uns ja nächstes Jahr mal bei einem Läufchen – was steht bei dir am Plan??
    Ganz liebe Grüße – Birgit

  • Reply Nadine 30. Dezember 2016 at 22:45

    ja, es war tatsächlich spannend bisher fest geplant sind das Innsbruck Trailrunning Festival im April und der Lichtenstein Trail Halbmarathon im Mai – ansonsten stecke ich noch in der Entscheidungsphase 😉 und bei Dir? Ja, ich würde mich auch freuen!!

  • Reply Anonymous 31. Dezember 2016 at 16:30

    Hallo Nadine,
    beim Lesen Deines Resümees habe ich glatt eine Gänsehaut bekommen.
    Ich freue mich mit Dir,dass Du das alles geschafft hast.Du kannst echt stolz auf Dich sein.
    Ein sportliches Jahr 2017 wünscht Dir die Alma

    • Reply Nadine 2. Januar 2017 at 10:44

      Vielen vielen lieben Dank Dir! Das freut mich sehr! Ich wünsche Dir ein ganz tolles kommendes Jahr 🙂 Liebe Grüße

  • Reply Uta 15. Januar 2017 at 11:28

    Oh wow!!!! So schön geschrieben

    • Reply Nadine 17. Januar 2017 at 18:58

      dankeschön :))

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