Laufevents

Innsbruck Alpine Trailrun Festival 2017

4. Mai 2017

Das Innsbruck Alpine Trailrun Festival 2017: Ein tolles Event mit super Leuten, einer schönen Strecke, vielen Eindrücken und dem Beweis an mich selbst, dass ich doch Bergauf laufen kann.

Bereits vor einigen Monaten hatte ich mich für das in diesem Jahr zum dritten Mal stattfindende Innsbruck Alpine Trailrun Festival (https://innsbruckalpine.at) angemeldet. Zur Auswahl standen die folgenden Distanzen: 15 km, 25 km, 42 km, 65 km und 85 km. Ich habe hin und herüberlegt ob 15 km oder 25 km für eine Anfängerin wie mich die richtige Wahl wäre. 15 km wären wahrscheinlich vernünftig gewesen, aber wann habe ich mich schon einmal vernünftig verhalten?

Natürlich wurden es die 25 km – zwar mit einem leicht mulmigen Gefühl in der Magengegend, aber auch gepaart mit Plänen wie das zu schaffen ist. Diese Pläne habe ich auch wirklich gewissenhaft befolgt: So oft wie möglich in die Berge um Höhenmeter zu sammeln, schließlich sind auf den 24.6 km auch 950 hm im Auf- und 650 hm im Abstieg zu bewältigen. Parallel dazu mehr laufen, im März ein Lesercamp vom Trailmagazin (das hat mich übrigens allerbestens vorbereitet, aber dazu ein anderes Mal mehr) und das Trainieren des Bergauf-Laufens. Nichts sollte hier dem Zufall überlassen werden!

Kurzum, ich fühlte mich relativ fit für meinen ersten „richtigen“ Trailwettkampf.

2 Tage vor dem IATF dann langsam ein paar Zweifel, es war nicht das beste Wetter angesagt. Auf der Fahrt dorthin am Vortag des Events wurde ich zunehmend nervöser, denn der Wettergott zeigte sich ziemlich kapriziös. Es schneite und schneite und schneite. Und das am 28.April. Na herzlichen Glückwunsch. Ein Blick ins Emailpostfach ließ mein Herz dezent in die Hose rutschen, da Mitteilung vom Eventveranstalter: Streckenänderung wegen Lawinengefahr.

Alle Distanzen betroffen. Die Trailhalbmarathonstrecke hatte dadurch nunmehr eine Länge von 27.2 km und zusätzlich sowohl im Auf- als auch im Abstieg jeweils ca. 100 Höhenmeter mehr, weil es nun 3 anstelle von 2 Anstiegen geben würde. Upsi.

Nach Ankunft in Tirols Hauptstadt dann die Bestätigung: Saukalt wars und ziemlich ungemütlich. Der Blick auf die Innsbrucker Nordkette zeigte viel Schnee. Bei der Startnummernausgabe wurde die Pflichtausrüstung sehr gewissenhaft kontrolliert und mehrfach darauf hingewiesen, dass es oben wirklich ziemlich kalt sei und wir sicherlich froh um warme Sachen sein würden. Na gut, jetzt war man ja da, was solls, Augen zu und durch.

Noch ein leckeres Tiroler Abendessen genossen und ab ins Hotel zum Schlafen. Man sollte ja schon gut ausgeruht an den Start gehen. Sollte. In meinem Fall machte mir meine Nervosität wie schon beim Karwendelmarsch im Vorjahr einen Strich durch die Rechnung. Die Gedanken rasten, der Herzschlag ziemlich hektisch. An Schlaf nicht zu denken. In den frühen Morgenstunden kapitulierte der Kopf und ich konnte zumindest 2 Stunden schlafen. Ziemlich gerädert wachte ich vom Wecker Klingeln um 6:20 Uhr auf. Ich zweifelte, sollte ich wirklich starten? Vielleicht war es doch besser nur zum Zuschauen mitzugehen und den Wettkampf abzusagen – lieber zuschauen und nicht aufgeben müssen. Jawohl, das war doch viel vernünftiger, ich bin doch eh keine Trailläuferin…

Same Procedure sag ich da nur…Gottseidank dauerte das nur kurz an und trotz kleiner Äuglein und müden Beiden schnappte ich mir mein Outfit, meinen Rucksack und meine Nerven und ab ging es Richtung Start am Landestheater von Innsbruck. Nö, ich war nicht gekommen um zuzuschauen. Dann halt mit wehenden Fahnen untergehen, aber versuchen wollte ich es.

In der Nacht hatte ich mein Teilnehmerbändchen, was bescheinigt, dass ich meine Pflichtausrüstung dabeihabe, abgeschnitten, da eine akute Taubheit meiner Hand aufgrund von verhinderter Blutzufuhr drohte, also musste ich mich nochmal zum Materialcheck begeben: Hier wuselte es nur so von gleichgesinnten verrückten Trail-Liebhabern. Kein Wunder, denn im Gegensatz zu den Läufern der 85er Distanz , welche schon um 6 Uhr losgelaufen waren, gingen die Läufer der 25er und der 65er Distanz  zeitgleich um 8 Uhr an den Start.

Um 7:30 Uhr fand das obligatorische Race Briefing statt, wo ich erste bekannte Gesichter erblickte und Freunde begrüßen konnte. Nochmal alle Infos zur Strecke und den Verhältnissen aufsaugen und dann gemeinsam mit den anderen Läufern in den Startbereich. Die Aufregung war bei mir jetzt verschwunden. Ich hatte Bock und nach kurzem Warten und Ratschen erklang der Countdown und pünktlich um 8 Uhr setzte sich die Läufermasse in Richtung Inn in Bewegung.

Meine Freundin Nina und ich trabten am Inn entlang und lachten über den ein oder anderen Scherz. Bis hierhin noch alles locker, Tempo gut machbar und wir überholten sogar den ein oder anderen Läufer. Für meinen ersten richtigen Traillauf  hatte ich mir vorgenommen Natur und Strecke zu genießen und innerhalb der Cutoff-Zeit ins Ziel zu kommen. Ursprünglich lag diese bei 4:15 h, durch die Verlegung der Strecke und den widrigen Bedingungen (Matsch und Schnee) jetzt aber bei 6:00 h . Bei 4:15 h hatte ich mir vorab schon so einige Gedanken gemacht: Was wenn ich nen Asthmaanfall bekomme? Oder zu viel gehen muss? Kann ich dann die Durchschnittspace halten? Viel zu viel Gedanken natürlich, aber sowas weiß man ja hinterher immer erst besser!

Bei den 6 Stunden machte ich mir dann nur bedingt Sorgen, die sollte ich schaffen. Als am Anfang des ersten Anstieges nach Hungerburg viele Läufer begannen zu gehen, löste sich ein weiterer Knoten in meinem Bauch. Wenn die anderen Läufer auch nicht alles laufen können, dann wird das schon passen…auch wenn ich tatsächlich Lust gehabt hätte diese Passage zu laufen (crazy Shit…beim Karwendelmarsch hatte ich da definitiv noch keine Ambitionen in Richtung Bergauf-Lauf). Die Gedanken waren aber ohnehin überflüssig: Stau am Berg, an Laufen gar nicht zu denken. Na gut, dachte ich mir, schont meine Kräfte, auch in Ordnung. Nina hatte es irgendwie geschafft den Stau zu umgehen und wir sahen uns erst im Ziel wieder, als sie schon gemütlich auf mich wartete ;-).

Nach dem überstandenen Anstieg ging es über Asphalt und Feldwege hinauf zur ersten Verpflegungsstation bei KM 9 (eigentlich war diese für KM 7 geplant, aber durch die Verlegung der Strecke war eine Schleife von 2 km hinzugekommen). Das Feld der Läufer zog sich nun etwas auseinander und ich war froh mein eigenes Tempo laufen zu können. Auf schmalen Single Trails ging es über Baumwurzeln, Schotterwegen und schlammigen Abhängen hinunter, auf und ab über die unterschiedlichsten Wege. Hach, mein Herz lachte.

Wie das häufig so ist, sah man diesen und jenen Läufer immer wieder, mal lief der eine vorn, mal der andere. Mir tat es gut ein paar Gestalten um mich zu haben und während ich noch um eine Kurve auf einem Single Trail runterlief und meinen Gedanken nachging, fand ich mich auf einmal fast schon am Boden. Eine rutschige Stelle übersehen und zack hatte der linke Fuß nachgegeben. Das schmerzte direkt, doch da ich nicht vollständig gestürzt war, biss ich die Zähne zusammen, lief weiter und war recht schnell an der zweiten Verpflegungsstation. Wenn der Fuß nicht gewesen wäre, hätte die VP für meinen Geschmack auch gerne 2 km später sein können, aber so war ich ganz froh. Ein paar Schlücke Cola und Apfelschorle und kurz durchatmen, dann trabte ich wieder an, da ich befürchtete den Knöchel sonst stärker zu spüren. Um das vorwegzunehmen: dem Knöchel geht es gut und er tat nur den Samstag über und Sonntag Früh noch a bissl weh, wahrscheinlich ein wenig beleidigt. Wirklich Glück gehabt, das hätte auch böse enden können!

Zurück zum Lauf:

Auf die 2. Verpflegungsstation folgte Asphalt (nicht mein Fall!).  Die schönen Single Trails noch im Hinterkopf, der Fuß tat weh, der Kopf wollte nicht mehr wirklich. Die Strecke  war quasi eben, aber ich wurde langsamer und langsamer. Nach einem gefühlt endlos langen Stück entlang einer Fernstraße ging es in eine kleine Ortschaft herein und  hinaus in Richtung Berge. Just im Moment des mentalen Tiefs lief ich an ein paar Kindern vorbei. Sie hatten Blumen am Wegrand gepflückt und ein kleiner Junge rannte mir mit einem gelben Löwenzahn in der ausgestreckten Hand entgegen. Er strahlte bis über beide Ohren und überreichte mir den Löwenzahn.  Was für eine riesige Freude er mir mit dieser kleinen Geste gemacht hat weiß er sicher nicht, aber sie kam genau richtig. Ich grinste ihn dankbar an und konnte gar nichts sagen: „Viel Glück für den Lauf – Du schaffst das“ sagte er, noch eine Runde High Five von allen und weiter ging es.

Da sieht man mal wieder, dass es nicht viel braucht um einem anderen Menschen eine Freude zu machen. Ein kleiner Löwenzahn und strahlende Kinderaugen und die Motivation war zurück. Mit Blume fest in der Hand ging es durch die grünen Almen dieser schönen Bergwelt Schritt für Schritt weiter in Richtung Ziel: Auf und Ab und Ab und Auf.

Die 3. Verpflegungsstation wartete in einem kleinen Dorf auf die Läufer und danach hieß es nochmal die letzten Kilometer alles geben. Kurz nach Verlassen des Dorfes ging es wieder auf die von mir wirklich geliebten Single Trails durch die bergige Waldlandschaft. Dummerweise entschied sich mein Bauch gerade hier noch ein wenig Trouble zu machen, also mitten im Wald eine Anhöhe heraufgekraxelt um mich wortwörtlich in die Büsche zu schlagen. Danach erstmal nur Schritttempo, da das Laufen meinem nervösen Bauch nicht gut bekam. Aber sowas geht ja gottseidank vorbei und die letzten Kilometer des Weges war es ein wahres Fest.

In einer Art Trance setzte ich einen Fuß vor den Anderen, freute mich über diesen schönen Tag und die Tatsache, dass ich wirklich so richtig am Laufen war. Dieses Glücksgefühl hielt genau bis zu dem Punkt an, an dem ich realisierte, dass es direkt vorm Ziel nochmal bergauf ging. Man hörte schon die Musik aus dem Zielbereich, sah sich aber nochmal einem wurzeligen Anstieg ausgesetzt. Meine Waden fanden das ausgesprochen unangenehm und verweigerten kurzerhand den Dienst. Unfassbar, einfach nochmal ein richtiger Anstieg auf den letzten Metern. Ich war fast schon sauer und zwang meinen Körper dazu nochmal alles zu geben, Tap, Tap, Tap, hoch mit dir, Körper, so kurz vorm Ziel wird definitiv nicht schlappgemacht!!

Der Anblick des Zielbereichs entschädigte mich dann noch und nöcher für diese letzte Strapaze und erhobenen Hauptes lief ich ins Ziel ein. Was da um mich herum los war kann ich gar nicht mehr sagen, da ich grenzdebil grinsend innerlich Tango tanzend einfach lief bis es nicht mehr weiterging.

Unbändige Freude. Geschafft. Innerhalb der Wertung! Auch wenn ich langsam war. Scheiß drauf. Geschafft ist geschafft. 27.2 km lang gelaufen. Weil ich es kann. Weil ich es will.

Es war ein schöner Lauf, dieser Trailhalbmarathon plus x beim Innsbruck Trailrun Festival. Für meinen Geschmack zwar etwas zu asphaltlastig, aber dennoch ein schöner Lauf. Innsbruck, ich komme wieder, mal sehen welche Distanz, aber wir sehen uns nochmal! Dann bleib ich auch für die Party, denn die Stimmung war super und ich hab definitiv noch nicht genug mit den anderen Trailrunnern gequatscht, da ist noch Potential nach oben ;-)!

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2 Comments

  • Reply Diana 4. Mai 2017 at 12:59

    Hallo liebe Nadine!
    Super geschrieben hast du das! Konnte mich richtig in dich reinversetzen! Der Junge mit den Blümchen war der Knaller, gell?! ^^
    Herzlichen Glückwunsch zum Finish!
    Und bis hoffentlich bald mal wieder!!
    Grüßle,
    Diana

    • Reply Nadine 4. Mai 2017 at 13:15

      Ja, liebe Diana, der Junge mit den Blünmchen war der absolute Hit und kam – zumindest für mich – auch genau zur rechten Zeit 😀
      Euch ebenfalls nochmal einen herzlichen Glückwunsch, saustarke Leistung war das – yeah!
      Sehr gerne bald mal wieder!!!! LG, Nadine

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