Allgemein, Laufevents

Halbmarathon: check.

29. September 2016

So, hier steh ich nun und bis so klug als wie zuvor.

So oder so ähnlich könnte man meinen aktuellen Gemütszustand beschreiben.

Letztes Jahr habe ich mir – zugegebenermaßen recht großspurig – das Ziel gesetzt im Jahr 2016 einen Halbmarathon zu laufen. Anfangs war ich absolut Feuer und Flamme. Allerdings kamen kurz nach diesem Entschluss Verletzungen, Krankheit, Rückfall beim Asthma und damit einhergehend Frust. Ich musste zwei Termine für den Halbmarathon im März und im April absagen. Aufgeben war allerdings trotz des Frusts nie eine Option!

Am 18.September 2016 (ein kalter und verregneter Sonntag) wurde nun mein großer Wunsch am Tegernsee erfüllt.

Mit einer Zeit von 2:35 h habe ich meinen ersten Halbmarathon absolviert:

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Halbmarathoni

Ich könnte sehr viel über diesen Lauf schreiben, denn es war in vielerlei Hinsicht sehr fordernd, aber auch sehr lohnend. Die Kälte, der strömende Regen, die vielen Menschen, die Schmerzen, die Anstiege…ich könnte noch ewig so aufzählen. Aber wieso eigentlich?

Im Grunde ist alles was zählt: ich habe es geschafft. Trüffelschnüffelschweinehund an seinen Platz verwiesen.

Das Gefühl dieses Ziel erreicht zu haben ist unfassbar.

Man hat mich anfangs belächelt,  die ehemals 100 kg-Nadine will nen Halbmarathon laufen ohne vorher großartig gelaufen zu sein.

Jaja, ich weiß schon, wie so einige dachten. Hey, um ehrlich zu sein, ich selbst dachte auch so. War mir fast schon sicher, dass ich mir dieses Mal zuviel vorgenommen hatte. Dementsprechend war meine Motivation auch eher gering. Ich hatte Angst zu versagen und es nicht zu schaffen. Die oben genannten Gründe kamen mir da nur allzu recht. Wieso sollte man sich denn sowas antun? Och eigentlich könnte man doch an nem verregneten, herbstlichen Sonntag vormittag auch äußerst gemütlich im Bett liegen und eine Serie nach der anderen schauen und dabei gemütlich frühstücken.

Klar könnte man das.

Aber verdammt nochmal, ich wollte es schon auch wissen.

Was geht, wenn man es wirklich, wirklich will.  Kann man den müden Körper  aufraffen und irgendwo aus der Tiefe die Motivation hochholen es wirklich durchzuziehen? Wo sind meine Grenzen und kann ich sie noch ein wenig weiter pushen? Also doch nochmal Attacke!

Mit Grenzüberschreitungen habe ich 2016 gute Erfahrungen gemacht. Sowohl mein erster Traillauf in Salzburg im Juni (City Light Trail des Mozart 100), als auch der Karwendelmarsch im August waren für mich klare Grenzüberschreitungen. Nach ersterem ging es mir so schlecht, dass ich die halbe Nacht im Badezimmer verbracht habe. Nach letzterem konnte ich 2 Tage nur wie ein Cowboy gehen. In jedem Western wäre ich absolut überzeugend rübergekommen.

Beide Erfahrungen haben mir aber gezeigt, dass ich viel mehr kann, als ich wage mir zuzutrauen und dass es gut, ja, absolut notwendig ist in mich selbst zu vertrauen und dass solche Erlebnisse die eigene Persönlichkeit festigen.

Das klingt alles extrem hochtrabend und wichtig und das ist es auch. Für jeden, der heimlich die tollen Läufer, Sportler und Ausnahmeathleten verfolgt und insgeheim auch gern so wäre. Für alle, die auf ihrer Couch sitzen und denken, dass sich eh nichts ändern wird und man sein Leben nicht ändern kann. Ich bin eigentlich kein Fan davon zurückzuschauen, aber manchmal ist es wichtig. Mein Selbstbewußtsein war früher quasi nicht existent. Itzibitzi-Teeny-weeny-mäßig. Ein schiefer Blick und ich saß heulend aufm Klo und hab den Fehler bei mir gesucht, im Anschluß daran dann Trostschoki, Trostkekse, Trostchips. Whatever.

Mit der Abnahme vor ein paar Jahren begann der heutige Weg,  das war mir damals zwar nicht bewusst, heute in Rückschau, weiss ich es aber genau. Damals wurde das Fundament gelegt.

Die Herausforderungen, denen ich mich (höchst freiwillig) dieses Jahr gestellt habe, haben mir das verloren geglaubte Selbstvertrauen Schritt für Schritt zurückgegeben. Während ich das schreibe, kullert mir ein kleines Freudentränchen über die Wange, weil ich gar nicht glauben kann, dass es so ist. Für viele Menschen ist es der Alltag an sich selbst zu glauben und in sich zu ruhen. Für mich ist es das nicht. Es ist ein Geschenk, so wertvoll, dass es eines Königs, ach was Kaisers würdig ist. Ein größeres Geschenk konnte ich mir selbst nicht machen. Damit sage ich nicht, dass ich manchmal nicht immer noch in alte Muster zurückverfalle, aber es passiert sehr viel seltener und das ist ein Meilenstein.

Der Sport, das Laufen, das Wandern, das Klettern…all diese Dinge sind kleine Puzzleteile, die mir zu meinem Puzzle fehlten und auch wenn es noch nicht ganz vollständig ist, man kann mittlerweile das Motiv ganz eindeutig erkennen und es fehlt nicht mehr viel bis es komplett ist.

Und dann ist da schlichtweg die Tatsache, dass ich innerhalb von 4 Wochen mal eben 52 km durch Karwendel gejagt bin und dann 21.1 km gerannt bin. What the hell?! ICH ICH ICH war das. Niemand anderes. Das Moppelchen, das einst diese Läufer im Fernsehen verfolgte und sich wünschte auch so zu sein, aber niemals gedacht hätte auch nur ansatzweise länger als 30 Minuten am Stück laufen zu können. Hach.

So, nun hab ich genug gefühlsduselig gefaselt. Zusammengefasst: ich bin sooo stolz und sooooooo glücklich. Krasser Scheiß.

Halbmarathon. 21.1 km.

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.

Um nochmal zu zeigen, was dieser ganze Weg auch körperlich bewegt hat:

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Vorher (2012)

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Nachher (2016,nach dem Halbmarathon)

Hat man sein Ziel erreicht, dann kommt unweigerlich der Gedanke was nun folgen soll. Was mach ich denn nun, wo ich kein konkret definiertes Ziel mehr habe?

Erstmal Laufpause. Gedanken sammeln. Nachdenklich sein. Befinden ausloten. Kleine After-Halbmarathon-Depression schieben. Dann überlegen was ich wirklich will. Was mir Spaß macht, wo ich gern weiter anknüpfen möchte.

Nun habe ich entschieden und here goes:

  • Trails laufen. Grenzen noch weiter austesten und auch überschreiten. Straßenläufe interessieren mich dagegen bedingt.
  • Laufgruppe. U-N-B-E-D-I-N-G-T. Ich schiebe dieses Thema seit Monaten vor mir her und finde immer neue Ausreden nicht zu einer Laufgruppe zu gehen. Das soll nun endlich ein Ende haben. Also ich arbeite hart daran. Denn es ist so: ich bin langsam. Ich laufe gerne, aber ich bin halt keine Flitzmaus..durch mein Asthma hab ich beim schnellen Laufen ab und an Probleme mit der Atmung. Wenn ich allein bin, dann kann ich einfach gehen und meine Atmung wieder unter Kontrolle bringen. Was aber, wenn ich in einer Laufgruppe unterwegs bin? Ich möchte da niemanden aufhalten und ich möchte mich aber auch nicht so unter Druck setzen schnell zu laufen, dass ich dann Atemprobleme bekomme. Mein Doc sagt, dass es eigentlich eine Gewöhnungssache ist und ich das trainieren kann. Grrr, hat der mir einfach meine Ausrede genommen. Also wird ich mir nun weiter gut zureden und das als weiteres Ziel in Angriff nehmen.
  • Weiter Sportarten ausprobieren bzw. verbessern: Bouldern, Klettern, Yoga. Im Fitnessstudio hab ich mich auch wieder angemeldet, Sport ist zu einem großen Teil meines Lebens geworden, so soll es auch weitergehen.
  • An mich glauben. Punkt. Egal in welcher Hinsicht. Es läuft gut gerade, aber dieses Momentum möchte ich nun nicht verlieren, also muss weiter dran gearbeitet werden.
  • Körper weiter optimieren. Sehen was noch drin ist. Langsam und ohne Druck, aber so ein paar Kilos dürfen noch weichen und Muskeln sehen einfach schmucker aus, als überdehnte Haut. Mein Körper hat ohnehin bisher so gut mitgemacht, da kann ich mich im Gegensatz zu manch anderem glücklich schätzen. Natürlich hat das Übergewicht Spuren hinterlassen, aber sie sind nicht so ausgeprägt, dass man damit nicht arbeiten kann. Auch wenn sie nicht schön sind und es mir schwerfällt, diese Spuren zu akzeptieren, so erinnern sie mich auch daran, was ich bereits geschafft habe und wo ich nie wieder hinwill.

5 Ziele für die nähere Zukunft, das ist doch ganz ordentlich oder was meint ihr? Arbeitet ihr mit Zielen oder wurschtelt ihr einfach so vor euch hin?

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