Trainieren

Gedankenwirrwarr

23. September 2015

Vor ein paar Monaten habe ich mich relativ spontan dazu entschlossen im nächsten Jahr – also 2016 – einen Halbmarathon zu laufen.

So weit, so gut.

Einen Trainingsplan habe ich. Demnächst auch eine sportmedizinische Untersuchung. Equipment gibt es auch bereits genügend.

Ach ja…Laufen. Das tue ich natürlich auch (eventuell ist das Laufen als solches bei meinem ganzen Plan das Wichtigste, eventuell).

Daher möchte ich heute genau dazu ein paar Zeilen schreiben.
Ich gebe zu: Ich hatte ja eine leicht verklärte Vorstellung vom Laufen.
Als ich den Entschluss fasste mit dem Laufen zu beginnen, dachte ich schon irgendwie, dass meine Motivation und mein Wille reichen würden, damit das Ganze auch supertoll klappt.

Ja, was soll man sagen: so einfach ist das nicht. Ganz und gar nicht. Es ist eine zähe Geschichte mit einer ordentlichen Portion Schmerz und Schweiß verbunden.

ABER (und ja, dieses Aber muss groß geschrieben werden..) all der Schmerz und der Schweiß und teilweise auch die Verzweiflung ist es wert. Ich möchte nichts (!) davon missen.

Zurück zum Ausgangspunkt: Nachdem man die Entscheidung gefällt hat, dass man einen Wettkampf (etwa einen Halbmarathon) laufen möchte, reicht es nicht sich dessen sicher zu sein und Pläne zu schmieden. Man muss vor allem eins tun: Die Laufschuhe anziehen und tatsächlich laufen gehen. Schritt für Schritt. Kilometer für Kilometer.

Mein Eindruck ist, dass bereits recht viele Laufinteressierte an dieser Hürde scheitern. Man ist nämlich leider nicht von heute auf morgen ein besonders toller Läufer. Das wäre ja auch der Wahnsinn ;-).

Die Fortschritte sind teilweise sogar nur minimal. Itzibitzifitziklein.

Manchmal gibt es sogar gar keinen Fort- sondern einen Rückschritt. Oh Graus denkt man sich. Wie soll das bloß funktionieren? Schaffe ich das wirklich? Kann ich das? Hab ich mich übernommen? Wieso tue ich mir das an?

Diese Fragen hab ich mir bereits mehrfach (ach was, tausendfach!) gestellt und durchaus auch bejaht. Wie dieser Text und mein in München mittlerweile oft gehörtes Schnaufen beweist: Ich bin noch dabei und werde es auch bleiben. Ich will das. Ich will diese 21,1 km laufen. Für mich. Weil ich es kann. Allen Widrigkeiten zum Trotz.

Ich erinnere mich gut an ein besonderes Training. Nachdem sich die ersten Läufe recht gut anfühlten, bis auf ein paar Blasen an den Füßen mal abgesehen, war diese Einheit zäh. Wirklich, wirklich zäh.

Daher folgt mir in das Gedankenwirrwarr einer angehenden Läuferin:

Alter Schwede,ich kämpfe..es tut weh, ich will nicht mehr, das ist alles scheiße. Meine Muskeln sind am Ende. Der Weg ist doch hundertpro mit Kaugummi gepflastert. Warum sonst kommen meine Füße kaum einen Millimeter los davon? Und jetzt?…Seitenstechen. Ernsthaft? AUA. Gut, ich hatte bisher eigentlich bei jedem Lauf kurz mal Seitenstechen. Nicht besonders schön, aber auszuhalten. Hmm, aber irgendwie ist das doch fieser als sonst: nicht so richtig zum aushalten. Atme, Nadine, atme…ein durch die Nase aus durch den Mund – Papa hat es dir gesagt, atme so und dann geht das weg. Ach verdammt, hab ich jetzt durch die Nase geatmet? Aua, wer soll bei diesen Schmerzen schon klar denken können? AUA. Jeder Schritt eine Qual. Ich will nicht mehr. Warum hab ich mir das überhaupt vorgenommen? Totaler Blödsinn. Ich, die sonst sehr gern mal länger schläft und sich niemals im Leben als Frühaufsteher, sondern ganz eindeutig als Morgenmuffel definiert, warum bin ich um 7 Uhr morgens bereits fast eine Stunde am Laufen? Das ist doch Wahnsinn. HA! Da hast Du’s – Blogtitel passt, ich bin reif für die Klapse. Wahrscheinlich explodiert gleich meine Leber – da wo’s wehtut ist doch die Leber? Ich bleib stehen. Genau. Bloß nicht weiterlaufen. Ist zu gefährlich..all das Blut, weiß Gott woher das kommt und sich nun auf diesen Punkt in meiner rechten Körperhälfte eingeschossen hat. Nicht, dass ich gleich umkippe..Hmm, zwei Schritte gehen. Ja, okay, so geht’s vielleicht. Nein, scheiße, ich hab mir doch vorgenommen zu laufen. Lauf, Nadine, lauf weiter!
Okay, dabei die Faust in die rechte Seite – oh kommt da jemand, schnell die Hand weg, ich bin ja ne tolle Läuferin..haha, ich kann’s.
Aua, mist, doch nicht..okay, da um die Ecke, das geht noch. Ganz langsam, egal wie schnell, Hauptsache weiterlaufen…es geht, es geht, ich laufe. ICH LAUFE.
Gleich hab ich’s geschafft. Wenn ich nicht vorher einfach stumpf umkippe und zuckend hier liegen bleibe, dann..dann hab ich’s geschafft. Ganz sicher.

Gut, das sind noch pi-mal-Daumen 100 Meter..ein Fuß vor den anderen Fuß..lauf schon. Die Musik ist scheiße, ich muss das Lied ändern, so kann man doch nicht motiviert sein…oh. Ich bin da.

….
Sie lasen einen Auszug aus meiner Gedankenwelt.
An der man sieht: es ist kein Zuckerschlecken.

Aber warauf es nun bei diesem leicht wirren Post ankommt:

Egal wie hart es ist und egal wie sehr man kämpfen musste. Man kann es schaffen und dann darf und soll man auch zu Recht stolz auf sich sein. Ich habe mir ein Ziel gesetzt und das verfolge ich weiter. Ich werde diesen Halbmarathon laufen. Egal wie langsam ich sein werde…und wenn ich die letzte Läuferin bin, die durchs Ziel kommt. Ich werde ankommen.
Denn am Ende ist es so: ich will das.

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  • Leni 23. September 2015 at 22:16

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