Berge, Outdoor

Das Fellhorn im Chiemgau – Genuss pur.

6. November 2017

Wenn man mal eine Genußrunde machen möchte und zudem etwas Zeit hat, dann sollte man sich das Fellhorn im Chiemgau anschauen – nicht zu verwechseln mit dem allseits bekannten Fellhorn im Allgäu.

Das Chiemgauer Fellhorn ist 1765 m hoch und recht unbekannt, was definitiv nicht an der wunderschönen Natur beim Auf- und Abstieg, den Einkehrmöglichkeiten (Nattersalm, Sulzkaser oder Straubinger Haus) oder dem wirklich phänomenalen Rundum-Panorama am Gipfel liegen kann.Ich schätze, dass es an der Länge der Strecke liegt: Will man eine Rundtour machen, so ist man mit ca. 21 km und 1000 hm dabei, das mag wahrlich nicht jeder.

Ich hingegen kann diese Tour allerwärmstens empfehlen, bin ich doch noch immer  am Schwärmen, weil es wirklich so schön war (noch dazu hatte ich wahnsinniges Glück mit dem Wetter: wer kann schon am 4.11. nur mit Leggins und Langarmshirt munter auf 1765 m Höhe spazieren?).

Zur Tour:

Ausgangspunkt ist das Seegatterl bei Reit am Winkl. Hier empfehle ich gleich nach der Auffahrt rechts abzubiegen, über eine Holzbrücke zu fahren und hier zu parken, damit vermeidet man einiges an Verwirrung (ich habe 3 Anläufe gebraucht um den richtigen Weg zum Fellhorn zu finden…ähäm).

Hat man also dort sein Auto platziert, geht es ans Ende des Parkplatzes und auf einen gut ausgeschilderten Forstweg durch den Wald Richtung Nattersbergalm.  Nach etwa 20 Minuten an einer kleinen Wiese vorbei dem Schild Richtung Nattersbergalm folgen. Hier die ersten Ooooh- und Aaaaah-Momente, denn es lag noch ein wenig Nebel in der Luft, weshalb die Hütte links vom Weg auf einer kleinen Alm idyllisch in diesem eingerahmt da lag. Nach 5 Minuten erreicht man die Nattersbergalm, hier links auf dem Wanderweg vorbei (Wegweiser) und über die Almwiesen zum Waldrand, dann erneut links weiter zur querführenden Forststraße. Dieser folgen, bis man eine große Kreuzung erreicht, hier geradeaus und auf einen breiten  Steig. Nun wird es kurzzeitig steinig, im Herbst auf heruntergefallenes Laub achten. Minimale Trittsicherheit ist durchaus von Vorteil.

Von hier aus kann man den Weg gar nicht verfehlen, es geht immer bergauf, bis man eine kleine Almlandschaft erreicht. Ist man noch früh dran, so kann man an dieser die perfekt positionierte Bank nutzen um die Morgensonne auf das Gesicht scheinen zu lassen und die kühle Bergluft tief einzuatmen (ratet mal wer sich dort mit heißem Tee aus der Thermoskanne niedergelassen hat um genau das zu tun).

Nach ca. 1:30h Gehzeit erreicht man die unbewirtschafteten Hemmersuppenalmen, welche wie gemalt inmitten der Wälder liegen. Hier gilt es den Wegweisern genau zu folgen. Ich entschied mich nach einer Linkskurve, unterhalb einer Hütte, dem Hauptweg weiter Richtung Hindenburghütte zu folgen. Die wenigen Wanderer, die auch unterwegs waren, wählten den anderen Weg und zweigten hier links ab. Dies ist der kürzere Weg hoch zum Fellhorn, welchen ich dann im Abstieg nahm.

Im Osten thront das Dürnbachhorn, während vor einem eine kleine Kapelle auftaucht, die ganz einsam und allein am Wegrand steht. Nachdem ich diese habe rechts liegen lassen, erhaschte ich auf der rechten Seite des Weges ein vermeintliches Gipfelkreuz und schlug mich querfeldein zu diesem hinauf. Womit ich nicht gerechnet hatte: hier wartete erneut eine Almwiese, auf der ein Kreuz zur Erinnerung aufgestellt war. Da ich keinerlei Zeitdruck hatte und die Sonne gerade wieder herauskam, blieb ich für ein paar Moment auf dieser Almwiese und genoß es in der Stille dazusitzen.

Irgendwann ging es zurück zum Hauptweg und weiter in Richtung Hindenburghütte. Bevor ich diese allerdings erreichen konnte, führte eine Abzweigung nach Links Richtung Sulznerkaser vorbei durch Viehgatter bergauf. Der Weg ist ganz treffend auch als Almgenuss/Gletscherblick Premiumsommerwanderweg bezeichnet. Ja und das ist er wirklich…vorausgesetzt, man ist nicht so in seine eigenen Gedanken vertieft, dass man vom Weg abkommt. So geschah es mir nämlich ca. 10 Minuten nachdem ich den Sulznerkaser hinter mir gelassen hatte. Durch den dichten Bergwald stiefend, über Stock und Stein wählte ich anstelle des eigentlich richtigen Steigs einen großen Weg, welcher sich als Sackgasse entpuppte und mir einen 20-minütigen Umweg bescherte. Aber so what?

Immerhin war ich vollkommen für mich und konnte so herzhaft laut über mein Missgeschick lachen während ich mich auf den richtigen Weg schob. Hier ging es nun wirklich mitten in den Wald hinein. Über kleine Holzbohlen führt ein Pfad leicht schlängelnd durch allerlei Bäume und Sträucher immer steiler werdend bergauf. Neben mir im Dickicht grunzte es auf einmal und um nicht Opfer eines wildgewordenen Wildschweins zu werden, legte ich samt schwerem Rucksack erstmal einen Sprint ein. So ein Sprint zwischendurch erhöht jedenfalls den Puls enorm, kann ich euch sagen, könnte natürlich auch am Adrenalin gelegen haben…

Die Natur um einen herum ist mit Worten kaum zu beschreiben, das Laub schillerte in allen erdenklichen Farben, dazwischen hier und da dunkelgrünes Moos und immergrüne, aber auch orange eingefärbte Nadelbäume. Sonnenstrahlen bahnten ihren Weg durch die immer lichter werdenen Bäume. Unter den Füßen herrlich duftender Waldboden und zunehmend …Batz. Ich bin ja wahrlich kein Fan von Matsch, aber zu diesem Tag und den anderen Eindrücken passte das leichte Wegrutschen und die Schlonzigkeit seltsamerweise gut. Da konnte ich es auch gut verschmerzen, dass meine wunderschönen Trailschuhe nach kürzester Zeit aussahen, als wäre ich anstelle aufs Fellhorn bei einem Tough Mudder Race. Außerdem ging es an einem kleinen Bach mit kaltem und kristallklarem Bergwasser vorbei, sodass ich die Gelegenheit nutzte, um meine Hände abzukühlen und den Schlamm abzuwaschen.

Ein paar Höhenmeter weiter ging es durch eine zunehmend steiniger werdende Landschaft, bis man ans Straubinger Haus auf 1600 m Höhe gelangt. Hier verschlug es mir dann zum ersten Mal vollends die Sprache, als der Wilde und der Zahme Kaiser in all ihrer Pracht vor mir auftauchten. Da ich ob diesen Anblicks aber schnell die Sprache wiederfand, erschreckte ich mit meinem „Leck mich am A****“ einen gerade wild pieselnden Mountainbiker fast zu Tode.

Dieser Ausblick! So eine Pracht: Genau das sind die Momente, die für mich solche Bergtouren ausmachen. Man kämpft sich mehrere Stunden einen steilen Berg hinauf, ächzt, schwitzt und fragt sich, wieso zum Teufel man für sowas um 5:45 Uhr an einem Samstag Morgen das Bett verlassen hat…und dann überschreitet man die Kuppe eines Anstiegs und die Aussicht macht einen sprachlos oder lässt einen halt mal kurz seine Kinderstube vergessen ;-).

Ich beim Staunen.

Zurück zum Thema: am Straubinger Haus angekommen geht man nach links ein paar Meter auf dem Forstweg weiter, bis man auf den Abzweig des Sommerwegs aufs Fellhorn stößt. Jetzt ist es nicht mehr weit, der Gipfel schon in greifbarer Nähe. Trotzdem ist hier jeder Schritt gut zu durchdenken, da man durch das Panaroma stetig aus der Fassung gebracht wird. Es ist wie so oft in den Bergen: man schaut sich um, traut seinen Augen kaum um etwas weiter aufzusteigen und einen noch tolleren Ausblick zu haben. So ging es mir die gesamten 35 Minuten bis zum Gipfel. Irgendwann kam dann nämlich auf der linken Seite auch noch Panorama in Form von Blick auf den Watztmann und die Steinplatte hinzu. Ja wie soll man das denn aushalten? Links, rechts, links, rechts…WAHNSINN!

Man geht jedenfalls stetig ansteigend direkt aufs Gipfelkreuz zu, welches strategisch gut platziert ist, drumherum ordentlich Grünfläche um sich niederzulassen und zu staunen. Denn zum Staunen bietet der Rundumblick durchaus einiges. Das Who is Who der Alpen hat sich scheinbar dazu bequemt sich um das Fellhorn herum zu platzieren. Nicht schlecht, Herr Specht! Beginnend mit der Steinplatte, dem Watzmann, hinüber zu Großvenediger, Großglockner, Wilder Kaiser, Zahmer Kaiser, Untersberg, Wendelstein. Alles vertreten und ein wahrer Augenschmaus. Kein Wunder, dass meine Gipfelrast weitaus länger als geplant ausfiel. Ich saß am Gipfel, trank warmen Tee, schnabulierte einen Apfel und ein paar Nüsse und freute mich des Lebens.

Ich wiederhole mich, aber für solche Momente geh ich in die Berge. Dasitzen, staunen, genießen und glücklich sein. Nicht an gestern oder morgen denken, sondern einfach alles aufsaugen, was einem da geboten wird. Schnell noch die Tafel inspiziert, auf welcher die umliegenden Gipfel wunderschön auf einem Kompass angeordnet sind.  Dann hieß es Rucksack schnüren und ab auf den Rückweg. Zugegebenermaßen im Hopserschritt! Wenn man ohnehin gerade allein am Gipfel ist, kann man das ja mal machen. Obwohl…selbst wenn da jemand gewesen wäre, das hätte man mir nicht nehmen können. Zu sehr war ich grad auf Wolke Sieben.

Der Abstieg ist bis zum Straubinger Haus genau wie der Anstieg. Danach hält man sich rechts den Schildern Richtung Seegatterl, wo man bei den Hemmersuppenalmen wieder auf den Aufstiegsweg stößt. Der Weg bis hierhin ist etwas kürzer als der Anstieg, aber nicht weniger schön. Allerfeinste Singletrails führen an kleinen Wasserfällen und die Berglandschaft hinab. Ich weiß schon, wo meine Trailschuhe demnächst auch etwas schneller unterwegs sein werden. Ein paar Mal konnte ich mir das Rennen nicht verkneifen, auch wenn das mit Thermoskanne, Trinkflasche und schwankendem Rucksack etwas beschwerlich war.

Da ich zwischendurch etwas getrödelt hatte und meine Pausen länger ausfielen, brauchte ich für die 22 km insgesamt 7:15 h. Ich denke aber, wenn man zügig wandernd unterwegs ist, dürfte das in 5 h durchaus machbar sein. Trotzdem möchte ich keine einzige Minute missen, denn dieser Tag war in seiner Gänze fabelhaft bis zum Abend. Als ich unten am Parkplatz ankam begann dann ein leichtes Alpenglühen sich zu zeigen, welches mir die Heimfahrt versüßte.

Die Fakten:

  • Schwierigkeit: leicht
  • Höhenmeter: ca. 1000 im Auf- und Abstieg
  • Gehzeit: Gesamt 5:30h – Aufstieg ca. 3:00h,  Abstieg ca. 2:30h (wenn man nicht trödelt)
  • Technik: Forstweg und  Steig
  • Kondition: Mittel, da lange Tour (ca. 21 km)
  • Rundtour: möglich
  • Einkehrmöglichkeiten: 3 bewirtschaftete Hütten unterwegs

Zusammengefasst: ein klarer Tourentipp im Chiemgau. Wer noch nicht auf dem Fellhorn war, der sollte es dringend nachholen. Auch im Winter möglich, da auch Wegweiser für Skitouren/Schneeschuhgeher angebracht sind und es eine Winterroute hoch zum Gipfel gibt.

Wem meine Beschreibung noch nicht gereicht hat, der sollte sich jetzt gut festhalten, denn hier kommen die Bilder:

 

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